Gespräch mit Hanna Henke, Pfarrerin in Halle-Neustadt

Shownotes

Die hat sie schnell über Bord geworfen. Schnell merkte sie: Halle-Neustadt ist vor allem ein Lebensraum, mit ganz unterschiedlichen Menschen. Ja, Probleme gibt es. Aber auch viele Chancen und viel Offenheit. Und inmitten der Hochhäuser eine kleine Oase, für manche auch erstmal ein Fremdkörper: Die Kirche aus dem 18. Jahrhundert. Daneben das freundliche Gemeindehaus mit großen einladenden Fenstern. Eine sehr aktive Kirchengemeinde hat sich hier bereits zu DDR-Zeiten entwickelt, gegen alle Widerstände. Und auch heute ist es Pfarrerin Hanna Henke und den Gemeindemitgliedern wichtig rauszugehen, sich einzumischen, das Gespräch zu suchen, zum Beispiel an den monatlichen langen Tischen oder der Demo gegen Rechtsextremismus.
Im Podcast sprechen wir mit Hanna Henke über die Herausforderung, Kirche zu leben inmitten einem Viertel, in dem viele mit Kirche und Religion nichts am Hut haben. Wir sprechen über gesellschaftspolitisches Engagement im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und über das Projekt "Out of the Box", einen interreligiösen Begegnungs- und Lernort im Baucontainer, mitten in Halle-Neustadt.

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00:00:02: Gerührt und geschüttelt.

00:00:06: Ein Podcast der evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

00:00:13: Herzlich willkommen zu unserer heutigen Podcast-Ausgabe!

00:00:17: Mein Name ist Säure Graal, unser Gast ist heute Hannah Henke.

00:00:21: Sie ist seit drei Jahren Pfarrerin im Kirchengemeindeverband Emmaus in Halle Neustadt.

00:00:28: Wir wollen mit ihr sprechen über die Herausforderung, Kirche zu gestalten Ehrkirchen fern ist.

00:00:39: Wir fragen außerdem, wie das Brücken bauen zwischen den Generationen gelingen kann und es wird gehen um die Frage was kann?

00:00:47: Und was muss Kirche konkret tun im Blick auf die Landtagswahl, die hier in Sachsen-Anhalt am sechsten September sein wird mit derzeit sehr hohen Umfragewerten der AfD.

00:01:00: Herzlich willkommen Hanna!

00:01:01: Vielen Dank schön dass du da bist bei uns.

00:01:03: Dein Pfarrbereich Halle Neustadt Ein Fahrbereich mit vielen Hochhäusern, Mitplattenbauten.

00:01:12: Mit ganz unterschiedlichen Menschen natürlich die hier leben.

00:01:14: Es ist vor allen Dingen auch ein Stadtteil der nicht sehr kirchennah ist, nicht sehr kirchlich geprägt und der von relativ vielen Vorurteilen auch gepräkt ist was die Bevölkerung, was die Menschen angeht, die hier Leben.

00:01:30: als du vor drei Jahren hergekommen bist mit etwas für Erwartungen Bist du gekommen?

00:01:36: Hattest du auch solche Vorurteile im Kopf ganz bestimmte Bilder, bestimmte Menschen.

00:01:43: Ja also ich bin ja Herr Lenserin und ich komme von der anderen Seite der Saale aus der Altstadt Und da bin ich mit total vielen Vorurteilungen gegenüber Halle Neustadt aufgewachsen und mit riesigen Unwissen.

00:01:55: Also ich hatte ganz viele Bilder im Kopf aber habe die nie selber geprüft.

00:01:58: Ich war immer nur so oft er durchfahrt hier in Halle neustadt höchstens mal im Einkaufszentrum Und ich kam dann auch wirklich mit ganz vielen falschen Bildern, dass das hier ein Problemviertel ist.

00:02:11: Mit diesen ganzen Zuschreibungen die man hört und als sich hierher kam musste ich erst mal lernen nein es ist vor allem ein Lebensraum.

00:02:18: Das ist nicht der soziale Brennpunkt sondern in erster Linie ein Ort wo Menschen leben, wo es auch soziale Probleme gibt – auch andere Probleme.

00:02:27: aber erstmal mit diesem Blick Aha, was macht das Leben hier aus?

00:02:32: Und nicht wie ist das Leben diffizitär.

00:02:34: Das muss ich erst mal

00:02:35: lernen.".

00:02:36: D.h.,

00:02:36: du musstest selber deine Vorurteile erstmal so ein bisschen über Bord werfen und schauen... Wie sind die denn hier eigentlich wirklich, die

00:02:42: Leute?".

00:02:43: Total genau!

00:02:44: Und es ging aber relativ schnell weil ich total viele Leute hier getroffen habe auch in der Gemeinde, die's seit fünfzig, sechzig Jahren hier wohnen und auch richtig gerne hier wohnen und auch sehr selbstbewusst erzählen warum sie hier gerne wohnn und wie sich das stört dass die Leute von außen immer nur erzählen was so schrecklich sei an Halle Neustadt.

00:03:01: Und ich habe auch irgendwie gelernt, was es hier für Schätze gibt die es in der Altstadt nicht gibt.

00:03:07: also gerade das was du erwähnt hast dass es hier ein bunter Stadtteil ist.

00:03:10: Das ist etwas was mir vorher in der altstadt auch gefehlt hat Dass man oft so in seiner eigenen Blase unterwegs war.

00:03:17: das fand ich auch ehrlich gesagt dann richtig nervig.

00:03:19: und das ist was was hier zum Beispiel nicht so ist sondern dass man immer in ganz verschiedenen Kontexten ist.

00:03:24: Man trifft immer Menschen anderer Kulturen Religion anderer Denkweisen Und das finde ich total großartig.

00:03:30: War es schwierig am Anfang für dich, dich da umzustellen von Halle Allstadt hierher auf diesen vielleicht etwas anderen Menschenschlag?

00:03:40: Nee, das war gar nicht schwierig weil ich total Lust drauf hatte.

00:03:43: also ich bin ja bewusst hergekommen und habe mich riesig darauf gefreut.

00:03:49: Ich hab manchmal gemerkt dass man sich auch ganz fremd fühlen kann in der eigenen Heimat und wie sich das anfühlt Empathie für andere Leute zu empfinden, die sich vielleicht fremd fühlen.

00:04:03: Aber es ist vielmehr nicht schwer.

00:04:04: Ich fand's total aufregend und ich find's auch immer noch schön und

00:04:07: lehrreich.".

00:04:08: Jetzt hat diese Gemeinde ... Man kann vielleicht sagen man sieht das jetzt im Podcast nicht da wo du hier arbeitest?

00:04:13: Dein Pfarrbüro ist direkt neben der kleinen Kirche.

00:04:17: Das ist letztendlich wie so eine Oase in einem Stadtteil Ich habe es am Anfang schon gesagt, geprägt ist eigentlich von Plattenbauten.

00:04:26: Von Hochhäusern.

00:04:27: Das erwartet man hier eigentlich nicht?

00:04:29: Hast du das hier erwartet als du herkommst oder kanntest du das schon?

00:04:32: Nee also ich kannte diesen Ort ja auch gar nicht.

00:04:35: Ich wusste auch gar nichts über die Geschichte von diesem ursprünglichen Dorf was dann Großteils weggebaggert wurde vom Passendorf und dass wirklich so, dass das hier noch so ein Gelände ist aus dem achzehn Jahrhundert umgeben von der Stadt in den sechziger Jahren und danach des letzten Jahrhunders errichtet worden ist.

00:04:53: Also es sieht total anders aus, das ist auch so ein bisschen lustig dass hier wie so reingesetzt in diese andere Stadt und Es kennen auch manche Neustädter in gar nicht diesen Ort.

00:05:01: Das fasziniert mich immer total Auch die seit jetzt hinten hier wohnen die wissen gar nicht dass es hier eine Kirche gibt weil ja neustadt extra als statt ohne kirche gebaut werden sollte Und das war eben schon an den Rand gedrängt.

00:05:13: Okay, also zu DDR-Zeiten sozusagen als Stadtteil ohne Kirche geplant?

00:05:18: Genau.

00:05:18: Es sollte extra so sein dass es eben diese Stadt nach dem neuen gesellschaftlichen Vorstellung war und die Kirche sollte eigentlich gar nicht existieren.

00:05:30: und die Gemeinde hat das dann in einer unglaublichen Arbeit geschafft sich von unten aufzubauen indem sie heimlich von Tür zur Tür gegangen sind, Gemeindenmitglieder mit so kleinen Handzetteln und von der Gemeinde erzählt haben.

00:05:45: Da gab es gute Dienste, die die abends gemacht haben, ehrenamtlich und hauptamtlich Und haben Klingeldienste gemacht und haben Leuten erzählt hier gibt's eine Kirche.

00:05:53: wollt ihr mit dabei sein?

00:05:54: So hat sich diese Gemeinde aufgebaut in erstaunlich schneller Zeit.

00:05:58: Okay also das war ziemlich mutig muss man sagen sozusagen gegen dieser DDR-Idee wir wollen ja keine Kirche im Untergrund sozusagen.

00:06:08: Es war total mutig und es hat auch nur funktioniert, weil ganz viele Ehrenamtliche mitgemacht haben.

00:06:12: Weil einer der immer noch bei uns aktiv ist dann nachts im Badezimmer diese kleinen Handzettel vervielfältigt hat und seine Familie konnte dann stundenlang nicht aufs Klo gehen.

00:06:22: Und es hatte aber auch ganz viel zu Reibung geführt.

00:06:24: also es gab dann auch wirklich Probleme.

00:06:27: Weil das auch aufgefallen ist?

00:06:28: Das muss ja aufgefallen sein oder... Und weißt du, was es für Probleme gab?

00:06:33: Also gab's dann richtig Repressionen oder wurde etwas geschlossen?

00:06:36: Es wurde sehr viel Druck ausgeübt auf die Gemeinde und vor allem auf den damaligen Jugenddiakon Dotharocha.

00:06:42: Das ist eine ganz komplizierte Geschichte und am besten muss man damit auch selber mit Dotharochha drüber sprechen.

00:06:49: Da ist die Gemeine gerade erst dabei das so langsam aufzuarbeiten weil da so viele Verletzungen und Unsicherheiten und Ängste noch... noch waren.

00:06:57: Was auch nachwirkt bei Menschen, die heute aus dieser Zeit in der Gemeinde sind?

00:07:02: Genau und diese Prozess sich zu versöhnen braucht schon richtig lange das merkt man hier in der gemeinde total.

00:07:10: also es gibt den Willen aber ist wirklich ein langsamer Prozess

00:07:14: weil da viele Erinnerungen hochkommen von Verletzungen und Verrat und solchen Geschichten.

00:07:21: Das heißt aber, diese Gemeinde hat hier eine ganz besondere Geschichte auch von großer Aktivität und Mut.

00:07:29: Hat sich das, ist es dein Eindruck, auch gehalten?

00:07:32: Also gerade so dieser Mut und dieser Wille wir wollen hier was ganz Besonderes machen und bieten?

00:07:39: Ich finde die Gemeinden nach wie vor total offen und mutig und manchmal erkläre ich mir das so dass alle Leute, die hier in die Gemeinde gekommen sind, irgendwann mal neu hinzugekommene waren.

00:07:53: Also es gibt hier keinen, doch es gibt jetzt jüngere Leute klar die hier geboren sind.

00:07:58: aber von den ganz Alten sind alle irgendwo mal von woanders her gekommen und sind hier neu angekommen.

00:08:04: oder so erkläre ich mir dass die leute deswegen so offen sind gegenüber anderen Menschen die hier an kommen und das ist so eine Gasfreundschaft ist sie sich auch irgendwie erhalten hat.

00:08:13: das ist total schön was die gemeinde ausmacht und auch dass sie wirklich sich total gesellschaftlich engagieren.

00:08:20: Immer so, dass die Gemeinde sehr umgetrieben war von gesellschaftspolitischen Themen.

00:08:24: Von der Frage nach der Schöpfungsbewahrung von gescheitlichen Zusammenleben und das ist auch immer noch so.

00:08:32: Wie äußert sich das heute?

00:08:33: In welchen Aktivitäten?

00:08:35: Also es äußern sich vor allem daran, dass es worüber die Leute reden wollen was unsere Themen bestimmen in unseren Kreisen, in den Gottesdiensten und so wie der Glaube gelebt wird eben sehr sehr nach außen gelebt im Tun, also in dem wie die Leute sich verhalten.

00:08:53: Wie sie mit anderen umgehen?

00:08:54: Wie Sie besuchen?

00:08:55: Wie sie offen sind gegenüber Migrantinnen und so weiter.

00:08:59: Und es äußert sich aber dann auch darin dass wir zum Beispiel hier ziemlich viele zivilgesellschaftliche Sachen machen Dass wir so Dialogformate anbieten fürs Viertel wenn's bestimmte Problemthemen gibt Dann probieren wir das hier bei uns als Ort also hierher einzuladen und darüber zu reden oder so ein Nachbarschaftstreffen mit dem Langtisch, mit anderen Organisationen zusammen.

00:09:26: Das organisieren wir das einmal im Monat irgendwo so ein offenes Kaffee trinken für die Nachbarsschaft ist.

00:09:31: oder die Gemeinde hat mal eine Demo gegen Rechtsextremismus organisiert vor der Europawahl, also jetzt vor zwei Jahren oder sie bringt sich ein wenn es um den Bau vom islamischen Kulturzentrum geht Genau.

00:09:47: Und kommen bei diesen Aktivitäten, also zum Beispiel so Nachbarschaftstreffen oder Dialoge, kommen da viele Leute und auch Leute die nicht regelmäßig sozusagen in der Kirchengemeinde engagiert sind sondern wirklich auch ich sage es mal aus den Neubauten, aus den Plattenbauten?

00:10:06: Ja, da kommen wirklich viele... Also bei diesem Gespräch über das IKC war zum Beispiel der ganze Saalfoll und die wenigsten kamen davon aus unserer eigenen Gemeinde.

00:10:15: Was

00:10:15: war das, EKC?

00:10:16: Das islamisches Kulturzentrum?

00:10:19: oder auch zu den anderen Dialogformaten.

00:10:21: Auch zum langen Tisch kommen auch immer Leute aus der Gemeinde.

00:10:24: da gibt es auch so eine Kerngruppe aus der gemeinde die da richtig mit rumtourt aber es kommen auch ganz viele andere.

00:10:30: also das finde ich schon dass funktioniert hier ganz gut diese Form von Begegnungsort.

00:10:36: Trotzdem ist das natürlich immer wieder Thema, was das für Menschen bedeutet erst mal hierher zu kommen.

00:10:42: Es für viele erst mal ein komisches Gefühl ist, hier in die Kirche reinzugehen.

00:10:45: Ja weil du gerade sagst es viele kennen die Kirchen gar nicht oder wissen gar nicht das hier eine ist.

00:10:49: deshalb kam mir die Frage wie viele Menschen kommen dann von außen in Anführungszeichen wirklich auch zu diesen Veranstaltungen?

00:10:57: Ja oder es gibt doch manchmal die Vorstellung man darf nicht dazu kommen wenn man nicht mitgelieht ist.

00:11:01: oder manchmal neulich sagt eine junge Frau sie traut sich nicht die Taufschale anzufassen weil sie sich nicht beschmutzen möchte und so.

00:11:08: So Vorstellungen von, das ist sowas was so fernab ist ... Von der Lebenswirklichkeit von Leuten die nicht in der Kirche sind und dass sie da gar nicht selbst wenn Sie wollen gar nicht teil sein dürfen.

00:11:19: das begegnet mir ganz oft.

00:11:20: das finde ich ganz erschreckend.

00:11:22: Das heißt man spürt schon eine Distanz oder eine Unsicherheit auch zwischen den Leuten?

00:11:27: Und manchmal natürlich auch ganz kleine Ablehnung.

00:11:30: also das will jetzt nicht verschweigen richtig viele Leute finden es einfach richtig dumm dass es uns hier gibt.

00:11:35: Aber die kommen dann trotzdem.

00:11:37: oder sind das da nur Leute, die halt mal pöbeln und dann sind sie wieder weg?

00:11:41: Zu den Dialogformaten kommen die zum Teil auch ja aber weniger.

00:11:45: Und wie kann man sich das vorstellen?

00:11:46: so ein Dialog-Format Das ist ja so ein bisschen... Es gibt jetzt dieses Format Verständigungsorte von der EKD ausgehen Gibt's auch einige in der EKM.

00:11:55: Ist das eine Idee?

00:11:57: lasst uns endlich miteinander reden als immer nur übereinander und hinter dem Rücken der Leute.

00:12:02: Genau!

00:12:04: Wir haben das mit der Freiwilligen Eigentur in Halle letztes Jahr gemacht.

00:12:06: Die haben das an verschiedenen Orten gemacht, davor haben wir es selber initiiert.

00:12:10: und der lange Tisch da gibt's gar kein konkretes Thema.

00:12:14: Da sitzt man einfach nur bei Sammung.

00:12:16: Das ist wirklich die Grundidee sich zu begegnen.

00:12:19: Einfach dieses ganz basale Sich zusammen ein Tisch setzen, sich kennenlernen, zu merken was bewegt den anderen?

00:12:26: Was bewegt mich ins Gespräch zu kommen?

00:12:29: Und das denke ich ist ein Riesenwert!

00:12:32: Um so Ressentiments abzubauen untereinander.

00:12:35: Und auch Berührungsängste, ich glaube es ist nicht immer nur Ressentiments sondern ganz oft auch einfach Berührungsengste.

00:12:41: Wie sind deine Erfahrungen damit?

00:12:43: Hat man dauert das immer ein bisschen bis die Leute ins Reden kommen und sich aufeinander einlassen?

00:12:48: oder kann man sich das so vorstellen, dass geht eigentlich sofort los.

00:12:52: Die reden über Gott und die Welt oder ganz bestimmte Themen...

00:12:57: Nee, das dauert ein bisschen.

00:12:59: Oft ist es auch so, dass es dann hilfreich ist.

00:13:01: Es ist noch jemand dabei der das ein bisschen moderieren kann.

00:13:05: also in den seltensten Fällen gelingt, dass das einfach Leute die überhaupt nichts miteinander zu tun haben sich da zusammen an Tisch setzen und sofort klicken und irgendwie bis zum Sonnenuntergang zusammen plaudern obwohl sie das bestimmt könnten.

00:13:16: aber es ist einfach so ungewohnt dass es denn oft jemanden braucht ihr da in der Mitte sitzt und sagt ach Mensch das hat die Person auch gerade gesagt Es sind zum Teil die gleichen Themen, aber da sind es nicht gewohnt das untereinander zu verhandeln und dann brauchst du jemanden der in der Mitte noch sitzt.

00:13:32: Und wenn du sagst auch den Müll stört?

00:13:36: Das heißt das sind oft ganz alltägliche banale Themengeschichten über die dann gesprochen wird.

00:13:43: Total lautstärke, Müll.

00:13:46: Wem gehört der öffentliche Raum?

00:13:49: Das sind total alltäcliche Sachen eben hier, dass es in Halle Neustadt so ein bisschen unter dem Brennglas ist.

00:13:56: Weil je mehr Menschen konzentriert wurden als an anderen Orten aber sind eigentlich die gleichen Themen.

00:14:02: Aber wenn zweitausend Leute in einem Haus wohnen gibt's natürlich viel mehr Ruhestörung Als bei fünf Parteien.

00:14:11: Warum ist sie das wichtig solche Formate?

00:14:14: Das ist jetzt nicht die ureigene Aufgabe eine Pfarrerin.

00:14:19: Ich lade dir zu solchen Formaten ein, du könntest ja auch sagen ich mache meinen Gottesdienst und mein Seniorenkreis und kümmer mich um die Konformanten und damit bin ich eigentlich ganz gut

00:14:27: ausgelastet.".

00:14:29: Also es ist mir als Nachbarin total wichtig dass es hier ein gutes Zusammenleben gibt.

00:14:35: wenn nicht Pfarrerinnen wäre denke ich würde das auch irgendwie unterstützen und als Pfarrern ist es mir aber auch total wichtig weil ich denke Anliegen von Kirche.

00:14:45: Das ist ein Ort, wo Menschen sich auf Augenhöhe begegnen können als gleiche Untergleichen und wo das betont wird.

00:14:51: Dass es irgendwie jetzt nicht einen Unterschied macht welcher Kultur oder welchem Bildungsstand man angehört sondern dass wir alle mit der gleichen Würde uns begegnern können.

00:15:00: Das is schon finde ich was Kirche ausmacht.

00:15:04: Also im weitesten Sinne ist auch das kirche auch solche Dialog Formate.

00:15:08: ladet ihr denn manchmal dann auch trotzdem ein und sagt, wer übrigens Lust hat am Sonntag mal reinzuschnuppern in den Gottesdienst kann gern kommen oder lasst ihr das ganz bewusst lieber weg?

00:15:18: Manchmal.

00:15:19: Unser Kantor der hat zum Beispiel hier so'n Projekt dass er in ganz vielen Kindergärten in Halle Neustadt singt mit den Kindern.

00:15:24: die kommen einmal im Jahr hierher und dann sprechen wir so Einladungen aus gegenüber den Kindern und den Eltern.

00:15:31: an solchen Punkten machen wir das.

00:15:32: aber ich probiere jetzt auch nicht Das an jedem Punkt zu machen, damit es nicht so aussieht wie eigentlich wollen wir nur für unsere eigenen Formate werben und deswegen blocken wir euch jetzt alle hierher.

00:15:41: Eigentlich wollen wir missionieren

00:15:42: sozusagen.

00:15:43: Genau weil das ist auch eine große Angst die besteht und das kann ich auch verstehen dass man erst mal nicht möchte, dass man vereinnahmt wird.

00:15:52: Es hast du für ihn gesagt das Thema Migration ausländer spielt spielt auch eine Rolle auch in diesem Stadtteil.

00:16:00: Wie strittig ist dieses Thema?

00:16:01: Das wird ja auch Thema sein bei solchen Dialogformaten, so stelle ich mir das zumindest vor.

00:16:06: Ja da gibt es wie an allen Orten auch alle Meinungen dazu.

00:16:11: die Meinungen die nach außen repräsentiert werden sind oft die populistischen Meinungen aus Halle Neustadt.

00:16:16: Die finden irgendwie in der Presse immer sehr viel Gehör.

00:16:19: also schlägt sich schon in den Wahlen hier nieder dass sehr viele Menschen zum Beispiel die AfD unterstützen.

00:16:25: Es gibt aber auch viele die sehr offen sind gegenüber Migrantinnen oder mit sehr viel Solidarität und Empathie den Menschen begegnen.

00:16:34: Neulich sagte bei so einer Gesprächsrunde eine Frau, sie findet es total cool dass jetzt hier so Multikulti ist und das war ne Frau in der Rente also ne Krankenschwester die zum Wohlstandes hat gesagt sie freut sich richtig dass jetzt Neustadt so multikultis macht ihr richtig Spaß.

00:16:49: und da gibt's eben auch hier und das ist total unterrepräsentiert finde ich im öffentlichen Diskurs.

00:16:55: Nichtsdestotrotz, hast du auch gesagt ist es ein Stadtteil wo die Umfragewerte für die AfD und die Wahlprognosen für die AFD wahrscheinlich relativ hoch sind.

00:17:05: Wie geht man als Kirchengemeinde?

00:17:07: Die so mitten drin ist in so einem Viertel damit um?

00:17:10: denn es gibt ja von der Landeskirche eine ganz klare Aussage was die AfD als Partei und das Wahlprogramm der AfD angeht dass es eben nicht mit dem christlichen mit den christlichen Werten vereinbar ist, aber wenn man jetzt als Gemeinde mittendrin lebt und mit allen möglichen Leuten mit ganz unterschiedlichem politischen Einstellungen zu tun hat.

00:17:37: Wie geht man damit um?

00:17:39: Na ja wie schon erzählt vor der letzten Walde hat die Gemeindliche diese Demo gegen Rechtsextremismus ins Leben gerufen in Neustadt und dann sind ganz viele Leute hier in Neuestadt Auch unter dem Slogan der EKM-Herzstadt Hetze, hier durch die Stadt gelaufen.

00:17:53: Das fand ich total berührend.

00:17:56: In der Gemeinde wird es sehr oft thematisiert weil das auch viele Menschen umtreibt.

00:18:00: Auch im Seniorenkreis wird es immer wieder thematiziert dass Menschen sich gegenseitig befragen wie gehst du damit um wenn das in der Familie Thema ist oder im Freundeskreis?

00:18:12: Wie schaffst du es Leute davon zu überzeugen dass das total bescheuert ist die AfD zu wählen und so weiter?

00:18:17: Wir hatten auch neulich die Omas gegen rechts hier mit einer ganz tollen Lesung.

00:18:23: Wir probieren das schon ganz oft zu thematisieren, wir haben darüber nachgedacht ob wir dieses EKM-Banner aufhängen und zum Beispiel bei dem Banner unserer Kreuzheit keine Haken hat sich... dann die Gemeinde dagegen entschieden, weil sie nicht einen Hakenkreuz an der Kirche haben wollte.

00:18:38: Weil ihr auf dem Banner trotzdem das Haken Kreuz ist.

00:18:42: Das in den Müll geworfen

00:18:43: wird?

00:18:44: Was ist ein Hakenkreuz?

00:18:45: Wir wollen nicht dass diese Symbol an unserer Kirche hängt.

00:18:49: Ja wie gehen wir damit um?

00:18:50: also ich denke vor allem gehen wir da mit um dass wir probieren hier in unserem nahen Umfeld Gespräche anzustoßen genau und wir nehmen auch Teil an diesen ganzen Zivilgesellschaftlichen Sachen beim Wir-Festival und so weiter.

00:19:07: Aber ich denke unser wichtigster Punkt ist, dass wir mit den Leuten hier vor Ort reden.

00:19:12: Und das machen nicht nur ich.

00:19:13: Das machen nicht die anderen Leute aus der Gemeinde Leitung, sondern das machen wirklich die Omas und Opas aus dem Seniorenkreis.

00:19:20: D.h.,

00:19:21: die gehen zu den Häusern?

00:19:23: Die klingen auch da oder...?

00:19:23: Nee, die machen nicht

00:19:24: Haustürgespräche.

00:19:26: Das macht z.B.

00:19:27: das Soziokulturelle Zentrum hier.

00:19:28: Die machen Haustühlspreche... Ne, aber die ... sprechen das bewusst an in ihrem Bekanntenkreis und im Freundeskreis, weil es natürlich da auch vorkommt.

00:19:37: Wie sind die Erfahrungen?

00:19:38: Hast du das Gefühl... Das hört man ja auch immer wieder gerade aus Dörfern wo die Leute eigentlich eng zusammen wohnen.

00:19:46: sich alle kennen dass oft wirklich auch Risse und Spaltungen durch Freundschaften durch Familien teilweise durchgehen, wo die einen sagen Gottes Willen diese Partei kann man doch nicht wählen und die anderen sagen doch die Altparteien, die sogenannten Mania nix.

00:20:01: Und deshalb wähle ich sie jetzt.

00:20:03: Ja das nimmt gerade massiv zu in meiner Wahrnehmung hier bei uns in der Gemeinde.

00:20:07: also dass auch... Gemeinden, mit die das mehr und mehr aus ihren Familien erzählen.

00:20:10: Auch

00:20:11: z.B.,

00:20:11: was mich schockiert aus den jüngeren Generationen, dass sie sagen, dass die eigenen Kinder- und Enkelkinder jetzt plötzlich mit diesem Gedanken gut ankommen?

00:20:19: Und die Älteren da eigentlich eher stabildemokratisch sind...

00:20:24: ...und haben Sie eine Idee, woher das kommt?

00:20:28: Na ja ganz viel eben aus den sozialen Medien!

00:20:31: Das wird immer so verteufelt aber es ist ja so, bestimmte Influencer, auch christliche Influenzer zum Teil.

00:20:39: Aber mit so einer toxischen Männlichkeit, Influenza

00:20:43: usw.,

00:20:44: dass die da total stark sind und die Jugendlichen dem total ausgesetzt sind.

00:20:48: Auch die Jugendlichchen hier aus der Gemeinde von den JGs und der Konfigruppe, die erzählen wie krass das in der Schule dominiert.

00:20:54: Dass sie sich zum Teil gar nicht trauen zu sagen wenn Sie es anders sehen?

00:20:58: Wenn Leute z.B eine total rassistische Aussage machen weil die nicht wissen wäre im Freundinnenkreis noch... demokratisch denkt.

00:21:05: Also es ist so eine große, schweigende Mehrheit und die können nicht einschätzen.

00:21:11: Mache ich die mir jetzt alle zum Feind oder habe hier irgendwie noch Leute, die so denken wie ich?

00:21:16: Das heißt das ist fast auch ein bisschen wie so einen Teufelskreis weil wenn man nicht drüber redet dann kommt man sich irgendwie auch nicht näher und bricht die wichtigen Themen nicht an.

00:21:24: Genau ja ich denke deswegen ist es auch wichtig dass wir es immer wieder ansprechen um uns selbst zu vergewissern.

00:21:31: Nee das ist aber nicht unsere Normalität.

00:21:33: Sondern unsere Normalität ist, dass wir bleiben bei dem Wert.

00:21:37: Alle Menschen haben die gleiche Würde – ob das Migrantinnen sind oder Menschen, die seit siebenhundert Jahren hier wohnen in Halle.

00:21:45: Bekommt ihr denn manchmal Anfeindungen zu spüren?

00:21:49: Also von Menschen, der jetzt mal sehr AfD-nah sind und populistisch denken, vielleicht auch rechtsextremen denken als Oase in Dornemauge seid.

00:22:03: Also bei der Demo gab es paar Leute, die damit rumgepübelt haben und da war ich auch super froh, wer wir hier in Halle Neustadt eine wirklich gute Polizei haben, die das total gut deeskalieren konnten.

00:22:14: Nee aber man merkt schon finde ich als Bewohnerin hier dass jetzt so... also das ist bedrohlich wird wenn zum Beispiel überall auch ein Mietleben in dem kleinen einem der Kleinorte was noch zu meinem Fahrzeug gehört Wenn alles zugeteckt ist mit so AfD-Slogans.

00:22:29: Das finde ich ist schon irgendwie eine krasse Aggression, wenn alle Weihplakate total beschmiert sind mit irgendwelchen Hasskommentaren.

00:22:37: Neulich wurde da zum Beispiel auch unser Schaukasten eingeworfen und war irgendwie beratscht.

00:22:42: aber das weiß jetzt nicht ganz genau ob das damit zusammenhängt.

00:22:46: Aber natürlich ist es so in der Bedrohungslage die spürbar ist, aber nicht so dass wir jetzt hier ständig angepöbelt werden Und das muss ich auch dazu sagen also in Halle Neustadt sogar weniger als Ich habe das Gefühl in anderen Orten.

00:23:01: Eine etwas allgemeinere Frage, wenn man Pfarrerin ist – jetzt steht man vor so einer Landtagswahl auf die Allerjahre mit großer Sorge blicken gerade nachdem dieses sogenannte Regierungsprogramm der AfD auch noch veröffentlicht worden ist.

00:23:17: aber zurückziehen kann ja keine Lösung sein.

00:23:21: ich nehme an, das heißt Kirche hat eine verantwortungsvolle Aufgabe gerade jetzt?

00:23:28: Ich denke ja, ich grüße es total und bin da total froh darüber dass auch die Landeskirche das auch die katholischen Geschwister eine klare Haltung formulieren.

00:23:37: Das finde ich schützt uns als einzelne Pfarrpersonen oder als Gemeinden total.

00:23:41: also ist irgendwie schön so ein Rückhalt zu haben, auch dass es so klare Aussagen gibt was die Gemeindekirchenreden betrifft usw.

00:23:48: Ich denke aber was vor allem wichtig ist, ist dass die Kirchen weiter an einem positiven Narrativ arbeiten, sich nicht... thematisch so treiben zu lassen von der AfD.

00:23:58: Es passiert ja in der Politik genauso, dass die AfD dann die Themen vorgibt und irgendwie auch die Reaktion auf ist, die Lösungsansätze der AfD jetzt zu zereden was er erst mal gut ist.

00:24:09: aber wichtiger wäre es doch noch alternative Lösungs Ansätze vorzuzeigen also wirkliche Alternativen?

00:24:14: Was ist jetzt eine Zukunft, in der wir gemeinsam leben wollen?

00:24:17: da wünsche ich mir irgendwie noch mehr.

00:24:20: Dann kommen wir mal zu diesem ganz konkreten Projekt, was es jetzt seit ein paar Monaten gibt hier in Halle.

00:24:27: Was Out of the Box heißt?

00:24:29: Das ist letztendlich ein Container.

00:24:32: Sieht wahrscheinlich erstmal bisschen unspektakulär aus oder noch.

00:24:38: Aber es steckt eine große Idee dahinter.

00:24:41: Vielleicht kannst du das einfach mal selber kurz... erzählen.

00:24:46: Was verbirgt sich dahinter, hinter diesem Projekt?

00:24:48: Also das ist ein Projekt was wir zusammen mit der islamischen Gemeinde und dem Landesverband jüdischer Gemeinden in Sachsen-Anhalt erst mal ins Leben gerufen haben und inzwischen hat sich auch die Bahai-Gemeinde, die hier Neustadt ist noch mit angeschlossen.

00:25:01: es ist ein interreligiöser Lern-und Begegnungsort.

00:25:05: also ist ganz einfacher alter Baucontainer vier jetzt beteiligten Religionen ausgestaltet, dann soll der aber auch regelmäßige Öffnungszeiten bekommen.

00:25:17: Dass auch Menschen aus dem Viertel kommen können – auch ältere Leute!

00:25:21: Dass man Fragen stellen kann zu Religionen und dass man Unsicherheiten abbauen kann.

00:25:25: Das soll schon auch dort passieren, dass man zum Beispiel Sachen, die man sich sonst nicht traut zu fragen oder wo man keinen Ansprechpartner hat, das man die dort besprechen kann.

00:25:33: Und aber auch, dass es für Kinder und Jugendliche einen Ort gibt, wo sie lernen Religion ist schaffen, miteinander zu coexistieren und sich gegenseitig zu befruchten.

00:25:44: Hier in Halle Neustadt gibt es zum Beispiel an ganz vielen Schulen so dass es gar kein Religionsunterricht gibt.

00:25:49: Und das es aber ganz viele religiöse Konflikte gibt weil Menschen aus Ursprungsländern kommen wo es total verhärtete religiose Fronten gibt und wo entweder wir oder ihr heißt.

00:26:00: und die kommen mit diesen Vorstellungen hierher und treffen jetzt z.B.

00:26:06: muslimisch, sehr radikal geprägten Land sind Leute aus gedekal krass geprägten Ländern und haben nie gelernt wie geht man eigentlich mit Menschen anderer Religionen jetzt.

00:26:17: Wie kann man mit den friedlich coexistieren?

00:26:21: Und dann gibt es eben kein Rallye Unterricht und keine Bildung wie man sich Religion lernen kann.

00:26:26: und da ist dieser Container so gedacht dass man auch nicht nur einen Ort besucht zum Beispiel die ganze Schulklasse in die Moschee geht sondern das ein Ort gibt wo die Schülerinnen nicht nur lernen über die verschiedenen Religionen, sondern auch okay man kommt auch miteinander klar.

00:26:41: Man kann sogar voneinander lernen.

00:26:43: Das heißt das sind so konflikte religiöse Konflikte aber die Leute wissen von den anderen Religionen einfach ganz ganz oft gar nichts bis auf irgendwelche vielleicht Vorurteile die sie meistens so gar nicht stimmen

00:26:55: und die vielleicht im Herkunftsland stimmen oder die vielleicht auch im Herkomstland so propagiert werden von religiösem Führern Aber die hier nicht den Islam repräsentieren zum Beispiel.

00:27:09: Also es gibt hier manchmal Schulklassen, die auch uns als Kirche besuchen und dann trauen sich manchmal muslimische Schüler in die Kirche rein weil sie denken das dürfen Sie nicht aus welchen Gründen auch immer und dann hilft es total wenn ich sage aber euer Imam war hier schon in unserer Kirche und hat mit uns gebetet und so.

00:27:25: aber das wissen die Kinder nicht.

00:27:28: Und wie kann man sich das konkret in dem Container vorstellen?

00:27:31: Da ist dann immer ein kleines Team oder eine Person, die dann die Schulklassen empfängt und mit denen redet.

00:27:39: Oder gibt es einen richtigen Ablaufplan?

00:27:40: Also das ist nach einem Aufbau unsere Strukturen.

00:27:43: Da suchen wir auch noch Ehrenamtliche.

00:27:45: wenn gerade jemand das hier hört und Lust hat sich da hinzubringen einfach anrufen.

00:27:50: Genau also es soll regelmäßige Öffnungszeiten geben wo ein religiöser Vertreter da ist und die Schul Klassen können sich aber über die Öffnungszeiten hinaus auch anmelden.

00:27:58: Also, sie melden sich jetzt schon an und die Eröffnungszeit sind dabei gerade noch sehr sporadisch genau.

00:28:04: Und dann gibt es auch noch ein großes Zelt – das hatten wir auch schon mal zum Martinstag mit in Betrieb was für besondere religiöse Feste gedacht ist.

00:28:13: Dass man so eine Abrahamitische Tradition in ein großes zelt auch andere Menschen einladen kann um gemeinsam zu feiern.

00:28:22: Was richtig krass ist, dass dieses Projekt vom von weißt du wer ich bin finanziert worden ist und die wiederum sind das sind Gelder vom Bundesinnenministerium.

00:28:31: Also es finde ich total stark, dass sie uns das hier finanzieren.

00:28:36: Und krass finde ich, dass dann solche Wertschätzung in Aufmerksamkeit bekommt zum Beispiel vom Bundes-Innenministerium aber von Vertretern in der Stadt zum Teil gar nicht wahrgenommen wird oder in der lokalen Presse weil eigentlich immer entscheidend ist, Ein sozialer Brennpunkt ist nicht ein Ort, wo was Tolles entsteht.

00:28:59: Das heißt ja, dass das total festgefahren ist in den Köpfen sowohl bei der Stadtpolitik als auch bei den Medien?

00:29:07: Total!

00:29:08: Die Berichterstattung ist eigentlich total negativ und immer wieder begegnen mir Menschen aus der Presse die dann sagen ach Mensch warum erzählen wir denn nicht positive Geschichten über euch?

00:29:17: oder einfach die realistischen Geschichten können sich das selber gar nicht erklären, aber es hat sicher auch mit Klickzahlen zu tun und so weiter.

00:29:26: Ja, es gibt dieses verhärtete Vorurteil und scheinbar gibt's kein großes Interesse das aufzugeben.

00:29:31: Es gibt auch Leute die sagen ist natürlich auch ein Interesse von anderen Menschen zu sagen okay die Probleme schieben wir jetzt nach Halle Neustadt ab und dann können sie von uns selber fernhalten.

00:29:40: Können wir in unserer Blase sozusagen weiter bleiben?

00:29:43: Aber ihr habt ja gute Pressearbeit gemacht.

00:29:45: also man kann euch ja jetzt nicht vorwerfen, ihr habt darüber nicht informiert.

00:29:49: Aber du hast schon das Gefühl, es wird gut angenommen.

00:29:53: Jetzt

00:29:54: vielleicht nicht von der Politik oder den Medien, aber von der Bevölkerung ist ein Interesse da an diesem Container?

00:30:00: Da das gerade erst so im Aufbau ist, ist das noch recht schwer zu sagen.

00:30:03: Das kannst du mich vielleicht nochmal in zwei Jahren fragen.

00:30:06: Solche Sachen müssen ja auch langsam wachsen.

00:30:08: Das ist ja auch erstmal ein Fremdkörper.

00:30:10: Religion ist immer ein Fretenkörper hier in Halle Neustadt für viele Menschen und es wird einfach lange dauern, das aufzubauen, das ist okay.

00:30:16: Jetzt ist dieser Container ja noch sehr neu und ist noch im Aufbau, hast du gesagt.

00:30:21: Aber gab es schon ein Erlebnis?

00:30:23: Eine Begegnung die dich besonders überrascht hat, gefreut hat geprägt hat?

00:30:30: Ja da fällt mir sofort ein dass bei unserer Eröffnung einen Mann in Uhr Neustädter auf mich zukam der in der Nähe von dem Ort wohnt wo das islamische Kulturzentrum grad ist und auch neu gebaut wird.

00:30:46: Und der den Vorschlag hatte, ob man nicht den Brunnen, der in der Nähe von diesem Kulturzentrum steht wieder neu aufbauen könnte aber als interreligiösen Brunnan.

00:30:56: Das berührende an dieser Geschichte ist dass der Mann mit dem Vorschlag aus einem ganz strengen ateistischen Haushalt kam und diese klassische DDR-Schule durchlaufen hat also total antireligios aufgewachsen ist.

00:31:09: und er kam jetzt und hat gesagt oh Mann hier tolles Projekt mit dem Container.

00:31:12: ich habe hier auch einen Vorschlag Er könnte man nicht so einen interreligiösen Brunnen-Halle Neustadt machen.

00:31:17: Das fand ich so stark und berührend, dass gerade von ihm dieser Impuls kamen.

00:31:22: Und er hat gesagt, er wünscht sich auch das der Brunn wieder neu aufgebaut wird weil den gibt es nicht und er sieht grad in den Religionen.

00:31:28: irgendwie auch ganz gute Impulsgeber und das fand ich toll.

00:31:33: Ja!

00:31:34: Das wäre ja irgendwie auch das Ziel, dass der Container sowas schafft.

00:31:38: Also Menschen einfach zusammenzubringen neue Ideen zu bringen die am Ende dazu führen, dass man sich einfach versteht auch wenn man unterschiedliche Herkunft-Meinungen Religion hat.

00:31:50: Ja genau und auch diese positive und das Verbindende in den Religionen hervorzuheben die positiven Kräfte.

00:31:58: Die es ja

00:31:59: auf jeden Fall gibt.

00:32:00: Ich merke es zum Beispiel in Halle Neustadt.

00:32:01: also ich denke oft, dass es eine ganz positive Kraft ist gerade in dieser Zeit der Verunsicherung, dass Menschen so eine Art von Identität finden können in den Geschichten und Traditionen.

00:32:14: Und dass das andere dann noch mehr verunsichert, die keine eigene religiöse Tradition haben wenn zum Beispiel so viele Muslime hier sind weil sie selber nicht auf so starke Tradition schauen können.

00:32:26: und dann ist es super verunsichernd wenn plötzlich eine andere Gruppe mit ganz starkem Tradition das Alltagsgeschehen

00:32:32: prägt

00:32:33: Wenn man selber gar nicht so richtig weiß wie man jetzt Weihnachten und Ostern am besten feiern soll oder auch irgendwas anderes.

00:32:41: Und da merke ich, dass die Leute hier in der Gemeinde oft ziemlich entspannt sind und sagen ja sollen die Muslime doch schön zuckerfest feiern.

00:32:49: Und wir feiern dann zwei Wochen später.

00:32:52: Ostern ist auch wunderbar.

00:32:53: Es gibt einfach auch so eine Sicherheit letztendlich weil jeder seine Tradition hat und man guckt dann darauf...

00:32:59: Genau also auch eine große Freiheit den anderen ihrer Traditionen und Religionen lassen zu können glücklich und zufrieden in seiner Städte.

00:33:09: Also das greift ja die eigenen Überzeugungen nicht an, dass andere es anders machen.

00:33:13: aber ich verstehe das wenn es so eine Verunsicherung gibt was ist eigentlich meine eigene Kultur?

00:33:18: Dass wenn eine andere starke Kultur auftritt diese Verunsicherung bestärkt.

00:33:23: der Zeitpunkt dieser Idee des entstehens dieser Idee und des Aufstellens dieses Containers hat das was mit der Landtagswahl auch zu tun oder mit der gesellschaftlichen und gesellschaftspolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahre, dass man gesehen hat wir müssen mehr dafür tun das die Leute sich besser verstehen.

00:33:45: Auf jeden Fall ist es jetzt gerade dran.

00:33:46: aber ich würde mich nicht so treiben lassen von dem also ich will mich nicht als getriebene Verstehen von der AfD sondern dass es ein Ort gibt in der Mitte der Neustadt der von Religion bespielt wird.

00:33:58: das ist in der Gemeinde seit Ewigkeiten Thema.

00:34:00: also wir sind ja seit ewigkeiten hier am Rand dieser dieser großen Stadt und es gab schon Zichtgespräche, ob man nicht im Neustadtzentren laden übernimmt oder wie auch immer.

00:34:11: Und jetzt gibt's eben mal die Gelegenheit also ich glaube das hat auch ganz viele Wurzeln, die noch woanders hinreichen in so eine Idee ein bisschen mehr in die Mitte der Bevölkerung zu gehen und dahin wo die Menschen sind und nicht zu warten hier in unserer schönen Oase dass die Leute zu uns finden

00:34:30: Ist das manchmal ein bisschen Problem von Kirche, dass Kirche wartet?

00:34:33: Dass die Leute in die Kirche kommen anstatt dass wir zu ihnen gehen.

00:34:36: Es gibt ja schon auch andere Projekte-Kirche im Plattenbau und so.

00:34:39: Das gibt es ja.

00:34:40: So ist es nicht aber im Großen und Ganzen müssen die Leute ja eigentlich schon kommen in die Gemeindehäuser und Kirchen.

00:34:47: Das ist ein totales Problem und gleichzeitig kann ich das total gut verstehen weil wir unheimlich schöne Orte haben und total schöne Formate.

00:34:55: Wenn man was Neues macht, muss ja auch irgendwas Altes oft dafür aufgegeben werden und das fällt mir genauso schwer zu sagen.

00:35:02: Weil wir jetzt das machen, fällt irgendetwas, was hier bei uns in unserer wunderschöne Oase etabliert ist weg.

00:35:07: Ihr habt ja – ich glaube es war vor zwei Jahren dieses große Tauffest gehabt.

00:35:11: am Heidesee heißt das, glaube ich.

00:35:13: Ist das hier in der Nähe?

00:35:15: Ja, das ist am Ende der Neustadt in Nieben.

00:35:18: Das war ja relativ groß aufgezogen.

00:35:24: Ich komme jetzt nur drauf, weil ja auch das eine Möglichkeit ist zu zeigen.

00:35:27: Wir sind Kirche und wir machen ganz unterschiedliche Sachen und wir sind auch irgendwie nicht nur kompliziert und altbacken sondern wir haben auch neue Ideen.

00:35:38: Wie waren da die Erfahrungen damals?

00:35:40: Kamen da auch viele Leute, die das einfach mal interessiert hat Nicht unbedingt um sich taufen zu lassen aber immer zu schauen was machen sie denn da?

00:35:47: Und es war dann letztendlich ein großes fest, wenn ich das richtig gesehen hab mit Kaffetafel und so weiter danach.

00:35:54: Genau da waren schon sehr viele Menschen aber da waren auch sehr viele Teuflinge.

00:35:57: deswegen weiß ich jetzt nicht genau wer da noch dazu kam einfach um mal zu gucken Aber es hatte viel Aufmerksamkeit Es hat irgendwie Kirche sichtbar gemacht und Taufe sichtba gemacht hier in Halle.

00:36:08: Das ist ja auch ein super Beispiel.

00:36:09: Taufer Ist ja eigentlich total toll Menschen im Gottesdienst in die Gemeinde hineinzutaufen aber für viele Menschen ist das total komisch Und sie fühlen sich nicht zugehörig oder haben das Gefühl, so gut gehören sie noch nicht dazu.

00:36:22: Sie wollen jetzt die Taufe erstmal in einem anderen Rahmen machen bevor sie sich in die Gemeinde trauen.

00:36:26: Das ist irgendwie auch traurig und schade aber dass es ja an ganz vielen Orten warum Taufeste zum Beispiel auch so gut angenommen werden.

00:36:34: Jetzt machen wir dieses Jahr auch wieder das Taufest.

00:36:36: also jetzt wollen wir jetzt regelmäßig machen alle zwei Jahre.

00:36:38: Das machen wir mit der ganzen Region zusammen und das ist einfach super schön!

00:36:42: Es hat mir z.B.

00:36:43: auch ganz viel nochmal gelehrt was Taufel bedeutet.

00:36:46: Das war das erste Mal, dass ich und auch meine Kollegen zum Teil Menschen so ganz untergetaucht habe mit einer ganzen Körpertaufung.

00:36:54: Und es war für uns unheimlich stark, das zu erleben – auch als tauffelnde!

00:37:00: Ja dann kommen wir langsam zum Schluss

00:37:01: von

00:37:02: unserem Podcast.

00:37:03: Der Podcast der NKM heißt ja gerührt und geschüttelt und deshalb fragen wir auch am Ende des Podcasts immer was hat dich in der jüngsten Zeit?

00:37:13: Gerührt und was hat dich geschüttelt, durcheinandergeschüttelten?

00:37:17: Gibt es da etwas bei dir?

00:37:19: Also ich fange mit geschüddelt an damit ich mit gerührt auch hören kann.

00:37:23: Es hat mich total geschübbelt zu hören von dem Kollegen dessen Wohnung angegriffen worden ist in Cottbos von Neonazis.

00:37:30: das hat mich richtig doll geschüppelt und vor euch waren.

00:37:33: es tut mir unheimlich leid für den Kollegen und seine Familie.

00:37:36: Das ist grässlich und ich hoffe ganz soll die jetzt so viel Solidarität erfahren dass sie dieses Ereignisse ganz schnell hinter sich lassen können und sich davon nicht irgendwie den Mut nehmen lassen.

00:37:48: Was mich total gerührt hat in der letzten Woche waren drei Beerdigungen von Leuten, die sonst gar nicht in der Gemeinde vorkommen also auch keine Kirchmitglieder sind, die Angehörigen... Und wir waren uns so fremd von der Lebenswirklichkeit glaube ich und wie wir den Alltag leben usw.. Und am Ende von jeder Beerdigung Lagen wir uns so in den Armen und das fand ich so schön, weil das war eine große menschliche Nähe.

00:38:15: Obwohl wir ja eigentlich aus verschiedenen Welten kamen.

00:38:17: Das hat mich unheimlich gerührt.

00:38:19: Und es gibt immer Malen.

00:38:20: Es war jetzt so konzentriert in der letzten Zeit und es hat mich so bestärkt auf das was uns als Menschen verbindet.

00:38:26: Immer wieder hinzuweisen und daran festzuhalten.

00:38:29: Das ist ein schönes Schlusswort!

00:38:31: Vielen Dank Hannah Henke Pfarrerin in Halle Neustadt.

00:38:36: Danke für die Zeit und für das schöne Gespräch Gerührt und geschüttelt.

00:38:43: Ein Podcast der evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

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