Gespräch mit Silke Boß, Präses der Kreissynode Halle-Saalkreis

Shownotes

Wieder gewählt, muss es heißen. Denn das Ehrenamt hatte Silke Boß vor Jahren schon mal inne. Jetzt wollte sie es also noch mal wissen. Auf Kirchenkreis-Ebene kann man am meisten gestalten, sagt sie. Aber: Was macht eine Präses überhaupt? Was genau ist eine Synode? Und wie blickt Silke Boß auf die anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt? Über diese und andere Fragen haben wir mit der engagierten Präses im aktuellen Podcast gesprochen.

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00:00:02: Gerührt und geschüttelt.

00:00:06: Ein Podcast der evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

00:00:38: Darüber wollen wir mit Silke Boss sprechen und natürlich darüber, was überhaupt eine Synode ist.

00:00:43: Was eine Synodenpräse so macht?

00:00:45: Was sind frohe?

00:00:47: Was denn eher schwere Tage in diesem Amt?

00:00:49: Und wie blickt sie der Landtagswahl im Sachsen-Anhalt entgegen die uns allen bevorsteht?

00:00:55: Herzlich willkommen, Silke boss!

00:00:56: Dankeschön für die Einladung.

00:00:57: ich bin gespannt.

00:00:59: Erst nochmal ganz herzlichen Glückwunsch zu ihrer Wahl, die er jetzt ein paar Wochen glaube ich zurückliegt.

00:01:06: Ende April

00:01:07: Ende April war die Wahl.

00:01:08: Also herzlichen Glückwunsch!

00:01:09: Ich habe es schon gesagt, Sie sind siebzig Jahre alt?

00:01:12: Einenundsevzig.

00:01:12: Ach, einundseventig.

00:01:13: Ich hatte zuhören durch Geburtsdruck.

00:01:16: Alles

00:01:16: klar.

00:01:16: also auch dazu herzliche Glückwünsche.

00:01:18: Das ist ja ein riesen Unterschied.

00:01:21: Nicht mehr rund.

00:01:23: Auf jeden Fall ist es eigentlich könnte man sagen einen Ruhestandsalter.

00:01:27: Es gibt viele Menschen, die dann wirklich im Ruhe stand.

00:01:30: Ja

00:01:30: machen sich ja auch was in ihrer Freizeit.

00:01:33: aber Sie haben sich ein großes Ehrenamt, sage ich mal ausgesucht.

00:01:38: Sie haben sie erneut zur Vorsitzenden und zur Präses der Kreisnode des Hallesaalkreises wählen lassen.

00:01:46: Warum?

00:01:46: Man könnte ja auch andere Dinge tun!

00:01:50: Zum einen ist das natürlich kein Fulltime-Job.

00:01:52: also das klingt jetzt schlimmer als es ist glaube ich.

00:01:56: Es ist ein Ehrenamt was Zeit und Kraft braucht.

00:02:00: Das stimmt schon aber Ich hoffe, dass ich beides noch in ausreichendem Maße habe.

00:02:05: Ja warum?

00:02:06: Ich hab das ja schon mal gemacht und habe damit aufgehört aus persönlichen Gründen weil meine Situation sich so verändert hatte, dass es nicht mehr passte und hat eigentlich mit dem Thema kirchliche Ehrenamt soweit abgeschlossen.

00:02:21: Und als Anfang des Jahres die Frage an mich herangetragen wurde, habe ich gemerkt, dass mich das schon sehr reizt Und dann habe ich mit ein paar Menschen gesprochen, die mich gut kennen und die mich ermutigt haben.

00:02:35: Dann hab' ich gedacht, ich probier das einfach

00:02:37: mal.".

00:02:38: Was reizt sie da dran?

00:02:39: Viele Menschen kommen nachher auch noch bisschen drauf.

00:02:41: Es ist überhaupt eine Synode!

00:02:43: Was macht man da?

00:02:44: Aber erst einmal generell gefragt was der Reiz an dieser Aufgabe

00:02:47: ist.

00:02:47: Ja also wir werden es vielleicht noch ein bisschen ausführlicher sagen.

00:02:50: aber also der Präsis... Die Präsis sitzt der Kreis Synode vor, den Parlament sozusagen des Kirchenkreises Und der Kirchenkreis ist aus meiner Sicht die Organisationsebene unserer Kirche, in der man am meisten gestalten kann.

00:03:06: Das ist genau das was mir in der Vergangenheit Spaß gemacht hat und was ich hoffe auch unter den jetzt wieder veränderten Bedingungen mir wieder Spaß machen wird.

00:03:16: Da freue ich mich eigentlich auch drauf und die ersten Wochen haben schon so ein bisschen in die Richtung Anzeigen gemacht.

00:03:23: Sie haben es gerade schon gesagt eine Synode Ein Parlament im kirchlichen Bereich.

00:03:30: Also eigentlich ein demokratisches Instrument, vielleicht kann man es so nennen und Sie haben gesagt auf Ebene des Kirchenkreises kann man viel operativ machen.

00:03:42: können sie vielleicht mal bisschen beschreiben was macht man so als Präses einer Kreisenode?

00:03:47: Na ja also man leitet natürlich die Sitzung und bereitet sich vor und nach Und man ist geborenes Mitglied des Kreiskirchenrates.

00:03:55: Das könnte man, wenn man jetzt die Parallelen zum weltlichen System sieht vielleicht als die Regierung des Kirchenkreises bezeichnen und insofern ist man in ganz viele Themen des alltäglichen Tuns im Kirchenpreis einbezogen.

00:04:08: und natürlich nur eine Stimme von mehreren aber... Das gibt einem schon die Möglichkeit, erstens mal ganz viel kennenzulernen und dann auch vielleicht eine oder andere Stellschraube ein kleines bisschen mitzudrehen.

00:04:21: Das macht mir Spaß!

00:04:23: Was sind das für Themen?

00:04:25: Naja diese Kreisenode ist ja zuständig zum Beispiel für den Stellenplan Und die Frage wo welche Menschen mit welchen Aufgaben arbeiten sollen.

00:04:35: Die prägt natürlich sehr wesentlich dann auch das Leben der Gemeinden.

00:04:41: Ganz deutlicher Punkt, wo man ganz konkret was tun kann.

00:04:46: Also das heißt zum Beispiel, wenn es darum geht Gemeinde XY hat eine Vakanz.

00:04:51: Die brauchen dringend wieder eine Pfarrerin?

00:04:54: Geht das auch um solche Fragen?

00:04:56: oder wie viel Pfarrer im Pfarrern bekommt welcher Gemeindepereich?

00:05:01: Genau das Letztere.

00:05:02: eher also die unmittelbare Besetzung einer Fahrstelle wird zwischen Landeskirchenamt und Kirchengemeinde vorgenommen.

00:05:09: aber der Kirchenkreis legt eben fest ob in XY Dorf überhaupt ein Pfarr sitzt oder nicht mehr sitzt, ob dieses Dorf vielleicht zur Gemeinde AB dazugehören soll.

00:05:22: Die ein Fahrer betreuen solche Dinge und Stellenplan bezieht sich ja nicht nur auf die Fahrer sondern auch auf die anderen Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst also Gemeindepädagogen- und Kirchenmusiker.

00:05:32: Und das hat natürlich erheblichen Einfluss auf die Lebenswirklichkeit in den Gemeinden, ob man einen GemeindEPedagogen hat, ob der weiter weg ist all diese Dinge.

00:05:47: Das klingt aber auch nach Konflikten, wenn man sich überlegt, welche Kirchengemeinde hat nicht gerne einen eigenen Pfarr oder zumindest eine Gemeindepädagogen um regelmäßig noch Gottesdienste machen zu können?

00:06:01: Ist das konfliktbeladen?

00:06:04: Ja Stellenplanung ist immer ein Konflikt beladen und ich bin jetzt in der glücklichen Lage dass der Kirchenkreis vor meinem Eintreten in das Amt, gerade wieder einen Stellenplan fertiggestellt hat.

00:06:16: Aber wir haben auch in der Vergangenheit also ich weiß glaube schon drei Stellenplanprozesse begleitet weil es oft relativ kurz hintereinander wieder stattfindet und dass ist natürlich Konflikt beladen.

00:06:28: da muss man viel mit Menschen reden und zuhören und vielleicht auch mal die Ideen die man am schreibtisch entwickelt hat wieder über ein Haufen werfen oder verändern.

00:06:40: Aber meine Erfahrung ist auf der anderen Seite auch nicht nur, weil wir als Kirche natürlich immer so ein bisschen abgeneigt sind Konflikte auszuleben.

00:06:48: Aber auch tatsächlich habe ich immer wieder erlebt dass die Menschen in den Gemeinden sehr zugänglich sind wenn man ihnen die Nöte und Zwänge so erklärt das sie jetzt nachvollziehen können.

00:07:00: also Das kennen wir ja jeder.

00:07:02: Also wenn einem irgendetwas aufgedrückt wird, dann gibt es Widerstand.

00:07:06: aber wenn man ein bisschen Verständnis hat, dann versucht man sich auch mit der Situation zu arrangieren.

00:07:10: und das ist eigentlich das was ich häufig erlebt habe.

00:07:14: Aber das bedeutet Sie sind auch unterwegs im Kirchenkreis?

00:07:19: Und Besuchengemeinden gucken sich die Situation vor Ort an sprechen mit den Menschen dort?

00:07:23: Ja

00:07:24: also in unterschiedlicher Intensität.

00:07:25: Es kommt eben drauf an ob es jetzt gerade Themen gibt die zu besprechen sind.

00:07:30: Aber ich habe auch immer so den Ehrgeiz einfach den Kirchenkreis ein bisschen zu kennen.

00:07:36: Und ich fahre auch mal einfach so irgendwo hin, zu einem Gottesdienst oder gucke mir das einfach

00:07:41: an.".

00:07:41: Wie sind die Reaktionen dann von den Leuten?

00:07:43: Auch eigentlich wird man immer sehr freundlich aufgenommen.

00:07:46: gerade auf den Dörfern ist es ja so dass in der Regel immer dieselben Menschen da sind.

00:07:49: und wenn dann jemand Neues kommt und man ist noch nicht bekannt viele kennen mich ja aus meiner Vergangenheit aber wenn man noch nicht bekannt ist dann kommt eigentlich sofort jemand und sagt Es ist ja nett, dass Sie da sind.

00:08:01: Wer sind Sie denn?

00:08:02: Was wollen sie dann und so?

00:08:03: Und dann ist man gleich im Gespräch.

00:08:04: Das ist eigentlich sehr

00:08:05: schön.".

00:08:07: D.h.,

00:08:07: man kriegt auch vor Ort ein bisschen mit was sind die Themen, das sind die guten Dinge, was sind auch ein bisschen die Probleme und das nehmen Sie dann wiederum mit in die Tagung der Kreisgenode.

00:08:17: Genau!

00:08:17: Ja, und schon in die Arbeit unterwegs.

00:08:20: Also es gibt ja Ausschüsse der Kreisenode, die zwischendurchtagen und der Kreiskirchenrat.

00:08:25: monatlich tagt dann auch noch eine Gruppe bei der Superintendentin, wo wir uns austauschen.

00:08:31: Also es gibt viele Gelegenheiten, wo man solche Dinge die man erfahren hat oder erlebt hat, dann einspielen kann und vielleicht auch sagen da gibt's ein Thema das wir vielleicht nicht heute morgen aber grundsätzlich mal uns anschauen sollten.

00:08:44: und ja dann kann man sich da ein bisschen darauf vorbereiten.

00:08:48: Würden Sie sagen so einen Amt der Präsis ist das mehr etwas... Ja, ein Amt wo man viel mit den Menschen in Kontakt kommt oder hat es auch viel mit Verwaltung zu tun.

00:08:57: Ich glaube viele können sich gar nicht so richtig vorstellen ja was ist das eigentlich?

00:09:01: Oder ist es beides wenn Sie sagen sie bereiten diese Node natürlich auch vor sie leiten die Synode?

00:09:07: Ja also Verwaltung im eigentlichen Sinne muss ich Gott sei Dank nicht machen.

00:09:13: Das liegt im Kreiskirchenamt und soweit Vorhanden in den Gemeindebüros.

00:09:18: Also da habe ich nicht unmittelbar damit zu tun.

00:09:21: allerdings bin ich Mitglied im Verwaltungsrat des Kreiskirchenrates und in so einem Kreiskirchenamt.

00:09:27: Und insofern habe ich dann natürlich doch schon auch eine gewisse Verantwortung für die Arbeit, aber ich muss sie nicht machen und das ist auch sehr gut.

00:09:37: also Ich sehe meinen Amt eigentlich eher als Kommunikationsebene zwischen Gemeinden- und Kirchenkreisleitung.

00:09:49: Das heißt wenn man sich für dieses Amt entscheidet Was sollte einen auszeichnen, dass man gerne Menschen kennenlernt und auf Menschen zugeht?

00:09:58: Dass man kommunikativ ist.

00:10:00: Ja das auf jeden Fall ein bisschen Geduld ist manchmal auch nicht schlecht.

00:10:05: also ja gerade wenn konfliktive Prozesse dann doch sind vielleicht auch mit vorhandenen Mitarbeitenden oder mit der Organisation der Arbeit oder so wird man manchmal auch noch nicht sehr freundlich empfangen in einer Gemeindekirchenratssitzung Da muss man schon ein dickes Fell übertrieben vielleicht, aber man sollte nicht zu empfindlich sein.

00:10:27: Und auf der anderen Seite ist es schon nicht schlecht wenn man ein bisschen zuhören kann und vielleicht auch so zwischen den Zeilen lesen was vielleicht dahinter stecken könnte, wenn jemand etwas sagt.

00:10:39: Und was auf jeden Fall nützlich ist, wenn man bescheid weiß über unsere Kirche und wie das alles läuft oder was du dazugehört... Ja, das sind glaube ich so die Voraussetzungen, die ganz gut sind.

00:10:51: Jetzt haben Sie zu den Themen gesagt es hat viel mit Stellenplanung zu tun.

00:10:57: was gibt es noch?

00:10:58: worum diese Node?

00:10:59: Die Kreisnode muss man ja sagen sich kümmert

00:11:02: naja Es ist im Grunde alles was die Arbeit von Kirche möglich macht.

00:11:07: Das sind Menschen das sind Gebäude und das ist Geld.

00:11:09: Also das eine ist eben der Stellenplan das zweite ist die Gebäudekonzeption.

00:11:16: da haben viele mehr oder weniger schöne Gebäude und leider nicht mehr so viele Menschen, die sie nutzen können.

00:11:23: Oder wir haben vielleicht schon länger nicht zur Nutzung gepasst – und wir haben begrenzt Geld!

00:11:31: Und den Haushalt- und Jahresrechnungen muss eben auch die Kreisenode beschließen.

00:11:36: Das sind doch Aufgaben, die sehr unmittelbar auf die Wirklichkeit... in den Gemeinden sich auswirken.

00:11:44: Und Gebäudekonzeption bedeutet, in erster Linie was machen wir mit den Kirchengebäuden und den Fahrhäusern?

00:11:51: Genau

00:11:51: ja, gemeinte Häuser-Fahrhäuser-Kirchengebläude.

00:11:54: Manche Kirchengemeinden haben auch noch andere Gebäude also ehemalige Kantorenhäuse heißen die.

00:11:59: das sind da meistens wo der Lehrer gewohnt hat.

00:12:02: So etwas gibt es.

00:12:03: im Zusammenhang der Friedhöfe gibt's natürlich Gebäune und so.

00:12:06: und dann schon die Frage immer brauchen wir die Brauchen wir sie so wie Sie sind oder müssen sie verändert werden?

00:12:15: Oder brauchen wir sie vielleicht gar nicht.

00:12:17: Sehr viel steht unter Denkmalschutz, also auch wenn wir es nicht brauchen kann man das nicht so einfach stehen lassen verfallen lassen was auch immer.

00:12:25: Also da ist dann oft die Frage Kann man eine zeitweise Sicherung zumindest vornehmen damit es nicht schlimmer wird oder findet man andere Nutzungen vielleicht mit externen Partnern?

00:12:39: Gebäude ist schon ein großes Thema.

00:12:41: Das bedeutet man kann sich das schon sehr, ich sag mal konkret operativ vorstellen.

00:12:45: Beispiel wir haben jetzt Kirche XY in irgendeinem Dorf die zusehends verfällt oder Probleme bekommt und die kaum noch genutzt ist.

00:12:55: und dann ist es auch Aufgabe der Kreisgenode zu überlegen was passiert jetzt?

00:13:02: diese operativen Entscheidungen, die fallen im Zusammenspiel zwischen Kirchengemeinde und Kreiskirchenrat.

00:13:08: Weil dann ja oft von den kirchengemeinten Gelder beantragt werden um da irgendwelche Arbeiten vorzunehmen.

00:13:14: Und das Vormögen ist nicht unendlich.

00:13:17: Das heißt man muss eben überlegen Ist es sinnvoll in dieser Kirche nochmal hunderttausend Euro zu stecken für ein Gottesdienstbesuch von fünf Menschen?

00:13:25: oder also das ist jetzt extrem Fall.

00:13:28: aber So können die Themen schon sein.

00:13:31: Also, der die Kreissohnode beschließt den Rahmen also die Gebäudekonzeption, die dann sagt also folgende Kirchen wollen wir intensiv nutzen und folgende kirchen nutzen wir seltener und dieses Fahrhaus wird gar nicht mehr gebraucht da werden wir versuchen es zu verkaufen und so das steht alles für den ganzen Kirchenkreis dann in so einer Gebäudekonzeption Und die wird beschlossen und die Umsetzung geht dann über die Gemeinden und den Kreiskirchenrat.

00:13:58: Wie schmerzhaft ist das manchmal, wenn man so eine Gebäudekonzeption hat wo sie auch sehen okay da ist ne Kirche dabei.

00:14:05: Da is ein altes Pfarrhaus dabei wo man sagen muss wir geben das auf weil es einfach keinen Sinn

00:14:10: mehr macht?

00:14:12: Ja das ist schmerzerhaft aber für mich natürlich weniger als für die Menschen die unmittelbar damit zu tun haben.

00:14:17: und ich bin manchmal berührt wenn ich sehe wie Menschen an an Gebäuden hängen weder kunsthistorisch, noch atmosphärisch besonders schön sind.

00:14:31: Aber wenn ich da drin... was weiß ich?

00:14:33: Meine Kinder haben Krippenspielen machen sehen oder vielleicht selbst geheiratet habe oder meine Kinder getauft sind.

00:14:39: Also ist das natürlich nochmal ganz anders als wenn ich als Gast dahin komme und sage okay, sieht ganz gut aus!

00:14:47: Aber mehr auch nicht sozusagen.

00:14:49: Es ist natürlich verschieden.

00:14:50: also wir haben ja viele Kirchen, die ursprünglich mal romanisch waren.

00:14:54: Aber in vielen ist auch sind Barocke umbauten wo ich jetzt sagen würde das nicht unbedingt mehr meiner Art glauben zu äußern wie das ja damals gedacht war.

00:15:06: Aber trotzdem ist es natürlich für die Gemeinde dort nochmal ganz anders.

00:15:12: Kommt es in den Gebäudekonzeptionen auch vor dass man sagt die und die Kirche oder die Kirchen sind nicht mehr ausreichend genutzt und wir machen so eine Mischkonzeption, also wir sagen das wird weiterhin für Gottesdienste verwendet aber wir öffnen dieses Gebäude auch für andere Nutzungen.

00:15:29: Für Konzerte auch nicht nur kirchlicher Art, für Gemeindetreffen, also politische Gemeindetreffen und andere Freizeitaktivitäten.

00:15:42: Das ist durchaus möglich und erwünscht, aber in der Regel wird es dann im Konkreten relativ schwierig.

00:15:49: Also das geht schon damit los dass natürlich die meisten Kirchenbänke haben, feste Bänke.

00:15:55: Und damit lässt sich relativ wenig

00:15:58: anfangen.

00:15:59: da können sie keinen Kreis stellen, da können Sie nicht tanzen... Ja?

00:16:05: Das ist ein Punkt!

00:16:07: Der nächste Punkt ist natürlich die Gemeinden und insbesondere dann die Gemeindekirchenräte, die diese Entscheidungen treffen müssen.

00:16:15: Unterschiedliche Vorstellungen von dem haben was der Würde des Ortes angemessen ist.

00:16:21: Und also es gibt natürlich dann manchmal wie zu... Also in Alsleben zum Beispiel ist ja eine Kirche nur noch mit einer großen Schaukel.

00:16:30: Das ist eben kein Gottesdienst mehr.

00:16:32: das ist die eine Variante.

00:16:33: aber wenn ich jetzt andere alternative Veranstaltungen in die Kirche nehme glaube ich ziemlich schwierig so abzusichern, dass es ja nicht aus dem Ruder läuft.

00:16:44: Also wenn ich jetzt zum Beispiel eine Gemeindeversammlung mache dann ist sehr die Frage wer garantiert das da nicht Dinge gesagt werden die vielleicht in einer Kirche als nicht angemessen empfunden wären und was so empfundet wird.

00:17:00: das kann natürlich sehr verschieden sein.

00:17:02: Es gibt Menschen die sagen natürlich wir gehören dazu Egal sozusagen und es gibt Leute, die sagen nein.

00:17:10: Also für mich gibt es Grenzen und bestimmte Inhalte oder bestimmte Ausdrücke oder wie auch immer ein bestimmtes Auftreten möchte ich in meiner Kirche nicht sehen.

00:17:20: Das ist ein Problem und dann bekommt als praktisches Problem unter Umständen natürlich auch dazu dass wir Altäre haben, Ruzifixe und nicht zu jeder Veranstaltung passt einen Mensch der am Kreuz stirbt.

00:17:34: Also da muss man dann auch gucken, ob man irgendwelche Zwischenwände braucht oder sowas.

00:17:40: Ich persönlich habe es mal in Thüringen bei einer Beerdigung eines Nichtkirchenmitgliedes erlebt, dass der Bestatter ein Rollab mitbrachte – mit einem Bild von Wald und das wurde vor den Altar gestellt.

00:17:57: Und dann war das praktisch ein neutraler Raum.

00:18:02: Das sind so die Dinge, die sich dann eben im Praktischen ergeben.

00:18:06: Also es ist auf jeden Fall eine Herausforderung.

00:18:09: Wie gehen wir mit den vielen Kirchen vor allen Dingen, die wir in der EKM haben?

00:18:14: Es sind ja glaube ich fast viertausend Kirchen und Kapellen insgesamt... wie gehen wir damit um?

00:18:20: Und da sind natürlich Kirchenkreise auch stark offensichtlich von dieser Frage.

00:18:25: Ja, die Landeskirche legt da auch Wert drauf und das ist ja auch richtig, dass man sich vor diesem Thema nicht drückt!

00:18:31: Das kann man auch nicht, weil die Gebäude sind ja da.

00:18:36: So lange ein bisschen Geld da war konnte man immer noch sagen okay wir kriegen das schon irgendwie hin aber das ist eben jetzt nicht mehr so einfach und kommt nochmal zusätzlich Druck auf dieses Thema.

00:18:48: Aber dem halten sie stand

00:18:51: Das ist ja kein persönlicher Druck.

00:18:54: Was ich schade finde oft, also wir haben ja nicht nur die Kirchen, wir haben auch Gemeindehäuser oder Fahrhäuse.

00:19:02: früher auf jedem Dorf eins und bei weitem nicht mehr Menschen genug Menschen, die dann bei der Kirche arbeiten und da wohnen könnten selbst wenn man sagt auch der Gemeindepädagoge oder der Kantor könnte da wohnen.

00:19:14: Und da ist es dann oft so dass lange zögert, ob man das Gebäude abgeben möchte und dann ist es manchmal in einem Zustand dass sich schlecht jemand findet.

00:19:25: Und das ist da nicht so schön.

00:19:28: aber auch da gibt's natürlich Möglichkeiten.

00:19:30: also ein Senderwitz wo ich zur Gemeinde gehöre haben wir das so gemacht dass wir das war ein Kantorenhaus verkauft haben und den Gemeinderaum für uns aber behalten haben mit einem separaten Eingang.

00:19:42: Und dann lässt sich das natürlich gut verbinden, aber das kommt auch darauf an ob die räumliche Situation das eben hergibt.

00:19:50: Wenn man sich so eine Sitzung der Kreisenode vorstellt, das dauert immer einen Tag?

00:19:55: Ja also wir fangen immer neun glaube ich an und es dauert bis fünfzehn Uhr ungefähr

00:20:02: Gibt es da oft viele Diskussionen, viele Auseinandersetzungen?

00:20:06: Also jetzt nicht streit, heftiger Streit.

00:20:08: Das meine ich nicht.

00:20:09: Aber wird diskutiert so wie man das aus dem Bundestag

00:20:14: auch kennt?

00:20:16: Ja also natürlich wird diskutierend.

00:20:18: Es kommt immer auf die Themen an, die man hat und je nachdem... Synodalen da ihre Meinung dazu haben und äußern möchten, ist es mehr oder weniger bunt.

00:20:31: Der große Unterschied ist natürlich zu allen sonstigen Parlamenten dass wir keine Parteien haben und keine Fraktionen sondern die Synodallen kommen aus ihrer Gemeinde oder aus ihrem Fahrbereich und die Hauptamtlichen aus ihren Arbeitsfeldern und bringen diesen Background mit.

00:20:50: also ich glaube im Vergleich zum Zu politischen Parlamenten nicht ganz so sehr von Grundsatzfragen geprägt, sondern eher pragmatisch.

00:21:01: Aber auch da kann man ja durchaus sehr verschiedener Meinung sein und ich rechne jetzt auch damit dass wir im Herbst natürlich dann nochmal eine andere Atmosphäre haben werden auf der Tagung.

00:21:11: das wird man dann sehen.

00:21:12: Sie

00:21:12: spielen auf die Landtagswahl an mit dieser Aussage Dann kommen wir doch mal dazu.

00:21:18: Die steht jetzt am sechsten September für Sachsen-Anhalt bevor.

00:21:23: Ihr Kirchenkreis ist mittendrin sozusagen, das heißt man kann da auch nicht die Augen verschließen.

00:21:28: Die Umfragen für die AfD sind wie sie sind im Augenblick viele gucken mit großer Sorge auf diese Landtagswahl.

00:21:36: was wird Sie bringen bedeuten dann auch für das land Sachsen-Anhalt?

00:21:41: Wie stark ist das Thema in der Kreisenode bei den Menschen mit denen sie da regelmäßig zu tun haben in den Sitzungen von denen sie vorhin schon gesprochen

00:21:53: haben.

00:21:53: Wir haben ein allerdings als Kirchenkreis, das ist schon bevor ich dazukam in Gang gesetzt worden hat.

00:21:59: die Öffentlichkeitsarbeit macht da so kleine Videoclips, die deutlich machen sollen was unsere Haltung zu dem Thema ist und was uns wichtig ist, das stehe ich auch sehr dafür dass es nicht darum geht, die andere Seite irgendwie abzukwalifizieren.

00:22:17: Also wir wissen das auch in unseren gemeinten Menschen sind natürlich, die die AfD wählen und ein Stück weit diesem Gedankengut anhängen.

00:22:26: ich hoffe, dass sich das ein bisschen geändert hat seitdem das Wahlprogramm lesbar ist denn da kann ja nun niemand mehr sagen er hätte es nicht gewusst.

00:22:35: aber Also aus unserem christlichen Ansatz und ich denke auch sinnvollerweise geht es uns nicht um eine Konfrontation, sondern darum unsere Werte deutlich zu machen.

00:22:48: Und das wird sicherlich jetzt je näher die Wahl kommt noch mal stärker werden und es wird sicher nochmal ganz anders werden wenn das Wahlergebnis da ist.

00:22:55: dann werden wir sehen was es für uns austrägt.

00:22:59: Bleiben wir noch mal dabei, dass Sie sagen sie wollen niemanden sozusagen konfrontieren oder in die Ecke stellen oder ausschließen.

00:23:06: Das ist nicht die Idee.

00:23:06: das ist auch nicht die idee der Videos Die die Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises macht sondern es geht eher darum zu sagen was ist uns wichtig?

00:23:17: Das haben Sie gerade schon gesagt.

00:23:18: jetzt gibt es aber auch auf der anderen Seite ein sehr klares Statement von der Landes Kirche vom Landeskirchenrat, die sagt dass das was die AfD möchte mit dem christlichen Menschenbild mit den Werten nicht vereinbar ist und dass auch keine AfD-Mitglieder kirchliche Leitungsämter übernehmen dürfen.

00:23:40: Da könnte man ja sagen naja schließen wir aber Leute aus!

00:23:45: Ja, das tun wir.

00:23:46: Aber natürlich ist es so wie ein Beamter der Bundesrepublik auf dem Boden des Grundgesetzes stehen muss, gehe ich schon davon aus dass Menschen die in der Kirche Ämter haben sich stärker mit den Grundsätzen der Kirchen verbinden.

00:24:01: aber ich glaube bei sagen wir mal vierzig Prozent AfD-Wählern müssen wir einfach damit rechnen dass das Menschen aus unseren Gemeinden sind die da ihr Kreuz machen.

00:24:12: komischerweise geben, ist ja bis jetzt noch wenige zu.

00:24:15: Aber die sind da einfach und wenn man also in einer Runde sitzt und einfach nur abzählt und sagt ein zwei drei könnte es sein.

00:24:25: Also ich kann nicht einen so großen Anteil von Menschen einfach ignorieren oder abqualifizieren.

00:24:34: Ich glaube so schwer das ist.

00:24:36: wir müssen versuchen sie dazu zu bringen uns zu sagen warum Sie das tun.

00:24:42: Da wird ja viel rum überlegt, aber ich glaube dass kaum jemand tatsächlich von einem AfD-Wähler weiß warum genau der jetzt seinen Kreuz da gemacht hat.

00:24:52: Und ich glaube das wäre die Voraussetzung damit wir überhaupt ins Gespräch kommen und versuchen können dann die Bedürfnisse zu erkennen und zu sehen ob das tatsächlich mit dieser Partei der richtige Weg ist.

00:25:05: quasi.

00:25:07: Und da denke ich eben, dass wenn wir einfach sagen, wofür wir stehen.

00:25:10: Dass die Chancen größer sind das Menschen sich auch trauen mit uns darüber zu sprechen.

00:25:16: Aber hat da Kirche eine Aufgabe auf die Leute zuzugehen oder es zumindest zu versuchen?

00:25:22: Es gibt ja zum Beispiel dieses EKD Projekt was in allen Landeskirchen umgesetzt wird der Verständigungsorte.

00:25:28: Das ist ja die Idee Wir laden so etwas ein Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen und dann sollen die mal zueinander zuhören, um miteinander reden.

00:25:38: Ich bin da immer ein bisschen zögerlich mit solchen organisierten Dingen.

00:25:43: also ich Bin fest davon überzeugt dass wir alle als Christen egal ob wir eine amt haben oder nicht dazu verpflichtet sind in jedweder situation Die das ermöglicht quasi unsere prinzipien deutlich zu machen.

00:25:59: Und das geht gar nicht mehr nur um die afd das geht ja auch im ganz andere alltägliche Situationen, wo vielleicht Menschen hässlich miteinander umgehen und die Chance hätten zu sagen, nee das finden wir nicht so gut sondern wir machen jetzt das mal so.

00:26:12: Bei diesen organisierten Sachen sehe ich immer die Gefahr dass man in Anführungsstrichen nur die erreicht, die sowieso erreichbar sind und ich glaube ja der... Das Problem sind nicht die lauten und die würden da vielleicht hingehen, sondern die leisen und die erreiche.

00:26:29: ich glaub' ich nur was weiß ich?

00:26:31: in der Schlange an einer Supermarktkasse oder sowas.

00:26:35: Ich war jetzt gerade in den USA und auf dem Hinflug ist so verschiedenes Schief gegangen, jedenfalls in Leipzig.

00:26:40: Auf einem Flughafen wurden wir so hin- und hergeschickt.

00:26:43: Und dann sagte ich jemand, das ist ja furchtbar!

00:26:45: Und dann sage ich jemand anders, naja da werden sie auch sehen was sie davon haben bei der nächsten Wahl.

00:26:53: Meine Tochter sagt, ihr wüsste gar nicht dass die Lufthansaien Sachsen halt aufm Walz hätte stehen.

00:27:02: Also an solchen Gelegenheiten da einfach spontan zu reagieren, das bringt glaube ich mehr als irgendwelche offiziellen Gesprächsformate.

00:27:11: Ich will die nicht kleinreden weil es ist immer gut wenn miteinander gesprochen wird.

00:27:15: aber grundsätzlich auch schon vor dem Aufkommen der AfD war das immer so.

00:27:20: meine Traurigkeit ein bisschen dass sich glaube dass viele gar nicht wissen dass wir Christen sind viele mit denen wir im Alltag zu tun haben Und das ist eigentlich für mich auch so ein Aufruf.

00:27:33: Ich behaupte gar nicht, dass ich das gut mache aber... ...ich fühle mich dazu eigentlich

00:27:37: aufgerufen.".

00:27:38: Also mehr

00:27:40: zu hören

00:27:42: was passiert im nächsten Umfeld und dann auch zu reagieren?

00:27:46: Und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen?

00:27:49: Ja und zwar eben deutlich auch auf dem Hintergrund meiner Werte.

00:27:53: also nicht einfach nur etwas zu tun sondern vielleicht auch mal zu sagen ja als Christ kann ich jetzt So und so handeln auch, wenn es vielleicht komisch aussieht.

00:28:03: Wobei es ja genug Leute gibt also man kriegt das vor allen Dingen bei Social Media mit aber natürlich auch woanders die sagen wieso ich bin auch Christ?

00:28:12: Ich will aber keine Kirche, die mich vertritt, die sich in Politik einmischt.

00:28:16: Das ist ja immer so einen Argument.

00:28:18: Ich würde mal sagen oft auch so ein Tutschlagsargument bei solchen Diskussionen dass es heißt kirche is nicht politisch.

00:28:23: Die soll sozusagen Jetzt mal überspitzt gesagt beten, die Bibel vortragen aus dem Resthäuse sich raushalten.

00:28:32: Ja das ist natürlich eine Haltung, die uns nach der Wende häufiger auch dann begegnet ist.

00:28:40: Vor der Wände war das überhaupt keine Frage.

00:28:42: da war Kirche selbstverständlich politisch wahrscheinlich.

00:28:46: Ich finde es auch schwierig wenn Kirche sehr dezidiert sich auf eine Parteilinie einschießen würde.

00:28:54: Das finde ich nicht richtig, weil ich glaube dass wir doch eben zu allen Menschen gesandt sind wenn man es so theologisch formulieren will und wenn ich das aktuelle Verhältnis der Parteien angucke dann wäre es sehr schwer wenn ich jetzt öffentlich sage ich mal die SPD Meinung zu einem bestimmten Thema vertrete.

00:29:15: Mensch, der die CDU-Meinung zu diesem Thema vertritt.

00:29:18: Kein Interesse daran haben mit mir zu reden.

00:29:20: Wir sehen das ja immer wieder und das finde ich höchst bedauerlich und finde auch nicht unserem Auftrag entsprechend.

00:29:27: Und deswegen Ja natürlich ist Kirche ein gesellschaftlicher Player und hat das Recht und die Pflicht sich politisch zu äußern.

00:29:36: aber nein Kirche ist nicht Partei!

00:29:38: Das wäre für mich eine ganz wichtige Unterscheidung.

00:29:41: Wie blicken Sie denn ganz persönlich auf diese Wahl?

00:29:44: Was für Gefühlen.

00:29:45: Ich muss vielleicht noch dazusagen, ich bin auch als Beraterin in Gemeinden unterwegs sowohl in Sachsen-Anhalt Thüringen also auch in Sachson im Auftrag der Landeskirche jeweils.

00:29:55: und was mich wirklich traurig macht und das wird sich bei dieser Wahl vermutlich ja auch dann zeigen ist diese diese Resignation die bei vielen Menschen herrscht.

00:30:05: und ich denke wenn man in die Welt guckt uns selbst jetzt diese paar Tage die ich in den USA war selbst da, wo es ein wirklich reiches Land ist.

00:30:14: Sieht man im Vergleich dass es uns wirklich gut geht?

00:30:17: Das geht uns materiell ziemlich gut.

00:30:20: das leugnet nicht, dass es manchen Menschen nicht so gut geht wie es sollte aber so im großen Ganzen glaube ich geht es unserem land ganz gut.

00:30:27: Es geht uns in Bezug auf Meinungsfreiheit durch.

00:30:29: Ich kann sehr vieles tun und sagen was in anderen Ländern gar nicht möglich ist dieses Abwerten, was ich auch zum Teil erlebe.

00:30:40: Das ist alles schlecht und die Kirche ist auch schlecht.

00:30:42: Und so das macht mich sehr traurig.

00:30:45: Ich weiß aber nicht so richtig ob wir zu wenig von den schönen Dingen sprechen oder also wie man dagegen halten könnte.

00:30:54: Sie meinen wir dass das kirche zu wenig?

00:30:57: Von positiven denen

00:30:58: spricht ja auch kirche aber auch die politik.

00:31:00: also überall denke ich wird auch im persönlichen.

00:31:04: vielleicht wird zu viel gejammert Schlechtes in den Fokus genommen und es wird sich einfach grundsätzlich zu wenig gefreut.

00:31:13: Aber worauf führen Sie das zurück?

00:31:15: Das war ja auch nicht immer so,

00:31:16: oder?

00:31:18: Naja also ein Teil schuld sehe ich da schon bei der Politik die versucht hat den Menschen zu sagen Es werde sich was ändern aber es werde sich nichts für sie selber ändern.

00:31:31: Und das ist, glaube ich immer falsch.

00:31:33: Weil wenn Veränderungen kommen dann haben die irgendeine Auswirkung auf mich.

00:31:37: und wenn ich das zweimal oder dreimal erlebt habe also gerade in den wirtschaftlichen Umbruchzeiten war es ja so Dann werde ich misstrauisch.

00:31:45: und auf die Kirche bezogen denke ich eben auch Wir sollten nicht immer nur sagen Ja wir werden weniger und wir haben weniger Geld.

00:31:54: Sondern wir sollten eben auch sagen wir haben ganz lebendige Gemeindekruppen Aktivitäten, die in die ins gesellschaftliche Umfeld ausstrahlen.

00:32:06: Wo eben tatsächlich diakonisches Handeln stattfindet und wo Menschen, die vielleicht aus anderen Kulturkreisen und anderen Religionen kommen aber auch deutsche Menschen,die sonst nicht viel mit Kirche zu tun haben einfach mal Kirche ganz handfest erleben können.

00:32:21: und darauf können wir stolz sein glaube ich.

00:32:24: Ich hatte letztens eine Gemeindeberatung.

00:32:26: da hat ein Ein Gemeindekirchenratsmitglied gesagt, wir können uns doch nicht auf die Schulter klopfen.

00:32:31: Doch!

00:32:32: Ich finde, wir sollten uns ab und zu auf die Schulte klopften.

00:32:34: Und dann wäre vielleicht auch die Stimmung nicht so traurig.

00:32:37: Also der meinte... Wir machen zwar gute Sachen sollen das aber nicht sagen

00:32:40: oder?

00:32:41: Ja genau, dass wäre jetzt irgendwie ungehörig wenn man sich selber lobt oder so ja.

00:32:45: Vielleicht, aber Turgut ist und Rede drüber finde ich nicht verkehrt.

00:32:50: Eine Frage noch dazu, aber warum tut sich dann Kirche so schwer das rüberzubringen?

00:32:54: Also wir haben ja jetzt nun wirklich Zeiten, wo man sagt es ist die Gesellschaft ist irgendwie gespalten heißt zumindest die Leute meckern viel.

00:33:02: Es ist auch schwierig was in der Welt passiert.

00:33:05: natürlich furchtbare Dinge Kriege, die nicht enden.

00:33:09: Das verunsichert alles ungemein.

00:33:11: Ist das nicht eigentlich längst die Stunde der kirche?

00:33:16: Ja Kann ich Ihnen nur zustimmen?

00:33:19: Also die Kirche ist ja immer schwer zu fassen.

00:33:23: Und da, wo Kirche offiziell quasi auftritt als Organisation... Da verhält sie sich natürlich auch wie Organisationen.

00:33:30: und ein Punkt ist dass Organisationen unglaublich träge sind und eher wir – und ich nehme mich da gar nicht aus – begriffen haben nach der Wende das wir einen totalen Bedeutungswandel erlebt haben.

00:33:44: Das hat echt gedauert.

00:33:46: Und wenn man diese Dinge dann auch noch durch die Gestalt der Organisation eigentlich abbilden müsste und sagen müsste, was für eine Kirche brauchen wir denn jetzt?

00:33:56: Also gerade Sie haben das ja schön gesagt bei dem Zusammenschluss von Kirchenprovinz und Thüringen war das immer wieder ein Thema, bei dem wir nicht zu einem richtigen konkreten Bild gekommen sind.

00:34:12: Das glaube ich ist etwas, Kürchen ein bisschen im Wege steht, dass wir aus einer Tradition kommen wo viele Dinge selbstverständlich waren die heute überhaupt nicht mehr selbstständig sind und das wir nicht den Mut oder die Kraft haben das einfach mal alles in Frage zu stellen.

00:34:30: Und also tatsächlich die Frage an die Basis zu stellen was bräuchte ihr denn eigentlich?

00:34:38: Braucht ihr ein Landeskirchenamt oder auch nur eine Landessynode, braucht es das?

00:34:43: Braucht es all die Gesetze.

00:34:44: Also ich habe zwei, drei Legislaturen den Rechtsausschuss der Landeskirche geleitet und wir haben viele Gesetzen gemacht und haben gedacht, wir machen was ganz Wichtiges aber ich weiß es nicht.

00:34:57: Einfach nur so an einem Beispiel mal zu sagen Ich glaube dass Kirche ganz große Mühe hat auch die Erkenntnisse, die sie hat in die Praxis umzusetzen.

00:35:07: Deswegen ist eben meine Hoffnung ganz stark in jedem Einzelnen.

00:35:12: Bleiben wir noch einmal ganz kurz bei der Wahl, jetzt nehmen wir mal das Schlimmste an und die AfD hat wirklich Erfolg bei der Wahrheit.

00:35:24: Wir wissen es ja nicht, wir hoffen das nicht aber uns wird stärkste Kraft.

00:35:28: was befürchten Sie dann für diese Situationen?

00:35:33: Der Kirche in Ihrem Bereich also im Küchenkreis?

00:35:37: Naja, wenn man dem AfD-Wahlprogramm glaubt, liefert es auf einen echten Kulturkampf hinaus.

00:35:44: Und zwar wollen... Wenn ich das richtig gelesen habe ist es ja Ziel der Politik die Staatsleistung einzustellen.

00:35:52: Das hieß natürlich dass ein Großteil unserer finanziellen Basis wegbrechen würde.

00:35:58: Es würde sicherlich auch in vielen anderen Bereichen, also im Bereich der Diakonie zu einschnitten kommen.

00:36:04: Das sind auch Dinge die wir dann ganz körperlich spüren würden.

00:36:08: aber was auf jeden Fall auch sehr schlimm wäre wenn die Kirche als Organisation in einer Weise als feind definiert wurde wie ich das nicht mal aus DDR-Zeiten kenne.

00:36:20: und das ist das was mich wirklich sehr schockiert hat wie es möglich ist dass eine Partei die nicht belanglos ist, solche Dinge öffentlich propagieren kann und offensichtlich ja da auch einen breiten Konsens zumindest innerhalb der Partei gefunden hat.

00:36:38: Und was das für das gesellschaftliche Zusammenleben bedeuten würde?

00:36:43: Das ist mir noch völlig rätselhaft.

00:36:46: Wobei man sagen kann, Sachsen-Anhalt sind nicht mehr sehr viele Menschen in der Kirche, wird zum Prozent glaube ich insgesamt den christlichen Kirchen.

00:36:55: Also wenn man jetzt mal ein bisschen gemeint ist, können wir ja sagen

00:36:57: naja

00:36:58: es sowieso schon bedeutungslos.

00:37:01: Naja das ist eben genau die Frage.

00:37:03: also ich würde ja gerne mit ihnen streiten ob die Zahl etwas über die Bedeutung aussagt.

00:37:09: in wie vielen Orten ist die Kirche das größte Gebäude?

00:37:12: Das ist gar nicht einmal der Punkt.

00:37:13: nein es ist.

00:37:13: ich glaube dass eben selbst zu DDR-Zeiten es unstrittig war dass die kirche ein wichtiger Teil von Gesellschaft ist und wenn das infrage gestellt wird dann weiß ich gar nicht so richtig, was das für das Selbstwertgefühl jedes einzelnen Christenmenschen bedeuten würde.

00:37:32: Also wenn ich mich als Gegner meines Landes empfinden sollen müsste, weiß ich garnicht, was es mit mir macht und das macht mir eigentlich die allermeiste Sorge dass da eine Stimmungswandel quasi stattfindet, dass vielleicht auch von den Menschen die Kirche vielleicht jetzt eher neutral gegenüberstehen da nochmal ein anderer Fokus dann gesetzt wird.

00:38:01: Das heißt aber im Umkehrschluss kann man sagen es gibt ja viele Aktivitäten mittlerweile auch in Sachsen-Anhalt ist gibt Bündnisse für das Zusammenleben für Vielfalt, für Menschenfreundlichkeit und für Menschenwürde.

00:38:14: würden sie sagen Reicht es aus?

00:38:17: Und da ist die Kirche ja viel mit dabei in diesen Bündnissen.

00:38:19: Sie macht auch selber Dinge, wir haben eine Kampagne der Landeskirche Die der Kirchenkreis Halle Saalkreis haben so gesagt macht zum Beispiel solche Videos, die ich auch schon gesehen habe, die sehr empfehlen kann, die sind sehr gut umgesetzt und berührend.

00:38:33: Reicht das!

00:38:35: Also es reicht nie.

00:38:38: Solange es noch einen Menschen gibt, der auf der Straße zu einem Farbigen sagt, ich sollten so vergasen oder sowas, hat das nicht gereicht?

00:38:45: Da ist jeder Einzelne gefragt und wenn ich sowas höre, habe ich den Mut zu sagen haben sie eigentlich zugehört was Sie da jetzt gerade gesagt haben?

00:38:54: Also das Thema Zivilcourage...

00:38:59: Ganz unabhängig oder nicht ganz unabhängig, aber neben diesen ganzen organisierten Aktionen.

00:39:04: Die finde ich wichtig und richtig.

00:39:06: Aber ich glaube wir müssten viel stärker erkennen dass wir jeder einzeln gefordert sind.

00:39:12: Wir kommen langsam zum Schluss des Podcasts der ja gerührt und geschüttelt heißt Und wir stellen immer am Schluss die frage was hat dich?

00:39:23: Was hat sie in der vergangenen zeit in der jüngsten Zeit möglichst gerührt und geschüttelt.

00:39:29: Und es ist immer ganz schön, wenn man mit dem Geschüttel anfängt, weil man dann mit dem Gerührt- und dem Schönen aufhören kann im Podcast.

00:39:38: Fällt Ihnen dazu was ein?

00:39:39: Was hat sie geschüffelt?

00:39:40: Naja

00:39:41: also es ist jetzt nicht gerade unmittelbar gewesen aber das AfD-Wahlprogramm hat mich schon geschüddelt und vielleicht aktuell dieses Bild, was jetzt diskutiert wird ich weiß nicht ob Sie das schon gesehen haben vom Fraktionsvorsitzenden der CDU im Sachsen-Anhaltischen Landtag Ja, man könnte interpretieren inniger Umarmung mit dem AfD-Spitzenkandidaten abgebildet wurde.

00:40:03: Das hat mich schon ein bisschen geschüttelt und natürlich hat mich in den USA vieles geschückelt aber das ist zum Glück weit weg!

00:40:11: Aber was hat mich gerührt?

00:40:14: Es ist eigentlich ganz privat aber vielleicht auch nicht.

00:40:17: es hat mich sehr gerührt.

00:40:18: meine Schwester hat ein neues Urenkelkind bekommen Und in Zeiten, wo viele Leute sagen ja man kann doch eigentlich gar keine Kinder mehr kriegen und das ist alles so schrecklich usw.

00:40:29: hat mich das sehr gerührt dass da junge Menschen nicht mehr ganz so junge Menschen den Mut haben doch noch mal ein Kind zu bekommen.

00:40:37: Das hat mich schon berührt.

00:40:38: In die Zukunft geblickt oder der Gegenwart getrotzt?

00:40:43: Ja

00:40:43: vielleicht einfach diese Überzeugung egal wie es wird doch gut

00:40:47: Ein schönes Schlusswort egal wie Es wird doch Gut Sehr geborst, dann danke ich Ihnen für das Gespräch und Ihre Zeit.

00:40:55: Und für die unterschiedlichen Themen, die wir besprochen haben hat Spaß gemacht.

00:40:59: Herzlichen

00:41:00: Dank!

00:41:02: Gerührt und geschüttelt – ein Podcast der evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

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