Gespräch mit Gundula Eichert und Rita Ebken, TelefonSeelsorge Halle (Saale)

Shownotes

Wer ruft an? Menschen jeden Alters, mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, Berufen, Sorgen und Nöten. Das kann Gundula Eichert nur bestätigen. Sie leitet seit fünf Jahren die TelefonSeelsorge in Halle und übernimmt selbst regelmäßig Dienste. Es geht dabei vor allem ums Zuhören und Sortieren, sagen die beiden Frauen, weniger um konkrete Tipps, denn: "Ratschläge sind auch Schläge", sagt Rita Ebken. Man braucht viel Empathie für diese Aufgabe, die Fähigkeit, auch Stille aushalten zu können und auch, dass man nicht immer helfen kann. Ganz wichtig: Die TelefonSeelsorge ist für alle Menschen da, völlig unabhängig von Religion, Herkunft, Bildungsgrad, Lebensstil. Das hat die TelefonSeesorge Sachsen-Anhalt jetzt auch, vor der Landtagswahl am 6. September, gemeinsam mit der TelefonSeelsorge in Thüringen in einer Erklärung deutlich gemacht. Über all diese Fragen und Themen sprechen wir in der neuen Podcast-Ausgabe mit Gundula Eichert und Rita Ebken.

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00:00:02: Gerührt und geschüttelt.

00:00:06: Ein Podcast der evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

00:00:10: Fast forty-fünfzigtausend

00:00:13: Anrufe im Jahr, dreihundertvierzig Ehrenamtliche vier Leitungen.

00:00:35: Vierundzwanzig Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr.

00:00:42: Die Telefonseelsorge in Halle Dessau und Magdeburg ist also immer erreichbar.

00:00:47: Es gibt darüber hinaus auch noch Stellen in Erfurt und den Osttüringen ebenfalls der Telefonseelsorge.

00:00:55: Wir legen heute unseren Fokus auf die Telefonseelsorge in Sachsen-Anhalt, weil dort eben auch demnächst die Landtagswahl stattfindet und wie auch darüber sprechen werden.

00:01:07: Wer ruft an mit welchen Sorgen?

00:01:09: Was müssen die ehrenamtlichen Mitarbeiter vor allem können?

00:01:12: Und was könnte ein Wahlsieg der AfD in Sachsens Anhalt für die Telefonsäelsorge bedeuten?

00:01:18: Überall diese Fragen wollen wir heute sprechen – mit Gundula Eichert und Rita Hebgen.

00:01:24: Ich freue mich darauf!

00:01:25: Herzlich willkommen!

00:01:26: Ja, vielen Dank.

00:01:28: Fangen wir mit Ihnen an Frau Eichert.

00:01:30: Sie sind Pfarrerin und leiten jetzt die Telefonseelsorge in Halle seit fünf Jahren.

00:01:37: Bei einer Leiterin fragt man sich greift sie auch selber ab und zu noch mal zum Hörer oder sind das wirklich hauptsächlich administrative Aufgaben organisatorische Aufgaben?

00:01:46: Die Sie übernehmen für die Telefonseelsorge?

00:01:49: Also mir war es von Anfang an wichtig auch selbst ans Telefon zu gehen.

00:01:53: Das habe ich eigentlich vom Anfang an gemacht.

00:01:57: Mir ist auch wichtig, möglichst alle Schichten mitzumachen

00:02:00: um

00:02:01: einen Einblick zu bekommen.

00:02:03: Wer ruft bei uns an?

00:02:06: Was sind das für Themen?

00:02:07: Das ist mir einerseits wichtig um Weiterbildungen für die Ehrenamtlichen organisieren zu können.

00:02:13: Das ist es mir aber auch wichtig weil ich in der Ausbildung tätig bin neuer ehrenamtlicher und um alles möglichst gut auf die Gegebenheiten einzustellen, bin ich auch selber am Telefon.

00:02:29: Ich mache das wirklich auch sehr

00:02:30: gerne.".

00:02:30: Wie oft ist das so?

00:02:31: Haben Sie da einen Überblick?

00:02:33: Also unsere Ehrenamtlichen leisten zwölf Stunden im Monat am Telephone und ich versuche es auch.

00:02:39: Das gelingt mir manchmal nicht immer aber eigentlich versuche ich auch zwölft Stunden

00:02:43: im monat ans telefon zu gehen.

00:02:45: Dann kommen wir mal zu Ihnen Frau Ebken.

00:02:47: sie haben hier vorhin Wir haben vor ein bisschen geredet, erzählt Sie machen das seit neunundzwanzig Jahren als ehrenamtliche Mitarbeiterin hier bei der Telefonseelsorgienhalle.

00:02:59: Das ist eine richtig, richtig lange Zeit.

00:03:02: Das heißt es muss Ihnen ja Freude machen und Bestätigung geben sonst würden sie das so lange nicht machen.

00:03:09: Ist das so?

00:03:10: Das macht mir große Freude!

00:03:13: Und es

00:03:14: macht mich

00:03:14: nicht nur Freude, das gibt mir ja persönlich auch sehr viel.

00:03:18: Also ich

00:03:18: kriege von meinen Anrufen ganz viel zurück.

00:03:21: Ich mache's einfach immer noch gerne und komme gerne her.

00:03:23: Es ist ja auch nicht, dass ich weiß was hier passiert.

00:03:27: Wenn ich komme kann alles Mögliche am Telefon sein.

00:03:30: Es ist also

00:03:31: immer wieder neu Und Sie machen das neben Ihrer Berufstätigkeit dieses Ehrenamt seit so vielen

00:03:37: Jahren?

00:03:37: Ja,

00:03:39: ich bin ab jetzt Rentner.

00:03:40: Ich mache das jetzt.

00:03:42: Aber ich habe das sonst auch während meiner Berufstädigkeit

00:03:45: gemacht.

00:03:46: Ich mach

00:03:46: jetzt ein bisschen mehr Nachdienste.

00:03:48: Das

00:03:48: konnte ich nicht so machen.

00:03:50: Aber jetzt, da ich

00:03:52: Rentner bin, kann ich da öfter nachts kommen... Guck ich nur mal kurz zu Frau Eichert, eine Mitarbeiterin zu haben.

00:03:58: Die so viel Erfahrung hat ist wahrscheinlich ein Riesenschatz oder für so eine Telefonzelle?

00:04:04: Also ich kann mich auf Rita vollkommen verlassen und sie ist eine sehr gute Mitarbeiterin die ganz zuverlässig und sehr empathisch am Telefon

00:04:14: ist.

00:04:14: Dann steigen wir doch gleich einmal ein, Frau Ebken mit dem was dieses besondere Ehrenamt ausmacht... die sie ans Telefon bekommen, die bei ihnen anrufen.

00:04:25: Wenn Sie Dienst haben... Die rufen nicht an weil es Ihnen gut geht, sondern davon gehe ich jetzt mal aus, sondern weil die in der Regel ein Problem haben, weil sie traurig sind, weil ihnen was auf der Seele lastet.

00:04:39: Was rufen für Menschen an?

00:04:41: Mit welchen Sorgen?

00:04:42: wenn sie so auf die neunundzwanzig Jahre zurückblicken, dann gibt's wahrscheinlich jetzt viel zu erzählen.

00:04:47: Ja, es gibt viel

00:04:48: zu erzählt.

00:04:49: aber ja was für Menschen ruft man an?

00:04:52: Alles Mögliche, also Sofen und Querschnittebevölkerung,

00:04:56: alles Mögliche.

00:04:57: Ruft an von jung bis alt.

00:04:59: Natürlich ist in den Jahren

00:05:03: stetig angestiegen

00:05:04: die Einsamkeit.

00:05:05: Das

00:05:06: ist ein großes Thema.

00:05:07: das war früher nicht ganz so schlimm Und mehr psychische Krankheiten sind jetzt bisschen in dem Vorbegrund gerückt.

00:05:15: Aber ansonsten sage ich immer Also alles was man sich vorstellen kann oder auch nicht vorstellen kann das ruft hier an.

00:05:23: Also es ruft sozusagen der Alkoholiker genauso an wie der Obdachlose.

00:05:28: Es ruft der Geschäftsführer an, er ruft die Erzieherin an, die Mutter eines Kindes wo's nicht gut läuft.

00:05:40: also man kann

00:05:40: sich das wirklich vorstellen.

00:05:41: es

00:05:41: gibt eigentlich nichts was es nicht gibt.

00:05:44: und es ist tatsächlich so in dem Moment wo man den Hörer hoch nimmt weiß man Was erwartet mich jetzt?

00:05:51: Wer ruft jetzt an und das ist immer wieder eine große Herausforderung, mich dann immer genau auf diese Person

00:05:58: einzulassen.

00:06:00: Aber es ist auch

00:06:00: das Schöne

00:06:01: daran.".

00:06:02: Das Abwechslungsreich und das Spannende.

00:06:06: Sie haben jetzt gerade gesagt, es ruft der Obdachlose an... Die Erzieherinnen der Geschäftsführer, woher wissen Sie das denn?

00:06:14: Stellen sich die Leute vor.

00:06:15: Das ist ja eigentlich anonym und sie garantieren ja auch diese Anonymität.

00:06:20: Vieles wird dann im Gespräch erzählt.

00:06:24: also wir nennen keine Namen oder so aber manchmal mittel über den Beruf oder gerade das Problem dass mit der Obdachlosigkeit mit sich bekommt.

00:06:34: das wird dann besprochen und dann kriegt man das oft mit Das Alter oder so, die erzählen das dann schon im Gespräch.

00:06:42: Manchmal fragt man auch nach, um das besser verstehen zu können was ...

00:06:46: Sitzen Sie hier im Büro?

00:06:48: Oder sitzen sie Zuhause im Homeoffice?

00:06:51: Nee wir telefonieren

00:06:51: alle hier.

00:06:52: Wir kommen hier in der Telefonseelzogestelle und sitzen da allein im Zimmer

00:06:56: mit dem Telefon.

00:06:58: Und dann klingelt das Telefon, dann atmen Sie einmal tief durch.

00:07:01: Richtig!

00:07:02: Und dann melde ich mich mit Telefonseelzorge Und dann beginnt das Gespräch ganz unterschiedlich.

00:07:10: Also manchmal ist auch erst ein großes Schweigen, weil manche nicht wissen wie sie beginnen sollen und fragen da ich weiß gar nicht was sich sagen soll.

00:07:19: oder

00:07:19: manche sputeln vielleicht

00:07:20: raus mit ihrem Problem und erzählen uns was da los ist oder was denen

00:07:25: gerade auf der Seele

00:07:26: brennt.

00:07:28: Manche vergewissern sich

00:07:30: auch... Ist es wirklich

00:07:31: anonym?

00:07:32: Das fragen manche auch noch mal im Vorfeld Und das ermöglicht auch gerade manche Menschen sich hier zu

00:07:39: öffnen

00:07:40: und von ihren Problemen zu erzählen.

00:07:42: Also was mir zum Beispiel mal aufgefallen ist, nach einer Weile als ich hier war bei uns rufen auch viele Männer an.

00:07:50: also im Vergleich zur anderen Beratungsstellen die ja mehr von Frauen genutzt werden ist es schon sehr auffällig dass man kann eigentlich sagen halbe halbe Männer und Frauen anrufen.

00:08:03: Und weil Männer diese Anonymität schätzen, dass sie sich nicht einer Person gegenüber setzen

00:08:11: müssen.

00:08:12: Das

00:08:12: ist alle aber so im Vergleich.

00:08:15: Also man sieht die Angst irgendwie bloßgestellt zu werden, größer bei Männern oder sich zu sehr zu

00:08:22: öffnen,

00:08:23: sodass dieses Angebot eigentlich gut passt.

00:08:25: Manche schämen

00:08:26: sich auch für das Problem oder fühlen sich schuldig und dann ist es gut... wenn man es erst mal so jemanden erzählen kann in der Anlimität.

00:08:38: Sie haben jetzt gerade gesagt Frau Eppgen, manchmal ist es so dass jemand anruft und dann ist erstmal schweigen oder jemand sagt ich weiß gar nicht wie ich anfangen soll.

00:08:48: was machen sie denn?

00:08:48: Was ist ihrer Aufgabe?

00:08:51: Ich mache

00:08:51: gar nicht so viel.

00:08:52: also ich persönlich

00:08:54: warte oft auch malnchen also ich kann

00:08:56: das gut aushalten, das schweige

00:08:59: und frage dann

00:09:03: einfach sortieren dann.

00:09:07: Und dann geht es los?

00:09:10: Sie haben eben gesagt, ein Thema ist zunehmend die Einsamkeit der Menschen.

00:09:15: Wie kann man sich das vorstellen?

00:09:16: erzählen die Leute?

00:09:17: denn ich habe niemanden außer ihnen.

00:09:19: jetzt zum Reden.

00:09:20: mir ist niemand eingefallen dem ich über meine Sorgen reden kann.

00:09:24: Ja es gibt ja viele

00:09:26: die

00:09:26: heute auch viel älter werden rund um jetzt alle Freunde verstorben sind und die wirklich auch allein sind.

00:09:35: aber es gibt natürlich

00:09:36: auch viele

00:09:38: die nicht wissen, mit wem sie reden sollen.

00:09:40: Keine Freunde sind, die den Eltern um das nicht erzählen und reden müssen.

00:09:47: Worauf führen Sie das zurück?

00:09:49: Also auch bei jungen Leuten so eine

00:09:51: Einsamkeit?

00:09:53: Ja da ist einerseits seit

00:09:54: Corona das zugenommen.

00:09:56: also die Coronazeit hat schon gerade bei jungen Menschen sehr viele Probleme mit sich macht.

00:10:04: Also gerade in diesen sozialen Kontakte, die sie da ne zeitlang nicht leben konnten... bis heute Auswirkungen.

00:10:14: Da haben wir gerade vorhin darüber gesprochen, auch Menschen also die psychischen Erkrankungen nehmen Zug, Depressionen nehmen zu

00:10:23: und die führen

00:10:24: manchmal auch in der Einsamkeit.

00:10:25: Also dass Menschen dann Freunde verlieren, Bekannte verlieren alle eng gelassen werden.

00:10:32: Also es gibt wirklich Anrufende, die das nochmal deutlich sagen sie sind wirklich die einzige Bezug.

00:10:42: Ich habe niemanden mit dem ich sonst rede.

00:10:44: Das heißt, da spürt man auch eine ganz schöne Verantwortung wenn dann plötzlich die einzige Bezugspersonen

00:10:49: ist.

00:10:50: Ja wir haben mehrfach anrufen, der die auch öfter anruft für die wir so... Die sich vorgewissern.

00:10:59: ja ich bin noch da mit mir redet jemand zu.

00:11:05: Man ist jetzt natürlich.

00:11:06: logischerweise sind wir nicht bei einem Gespräch dabei.

00:11:09: das hat nochmal die Frage Wenn es dann losgegangen ist mit dem Erzählen der Menschen

00:11:17: anrufen.

00:11:18: Wie ist Ihre Aufgabe?

00:11:19: Ist das in erster Linie wirklich zuhören oder ist Ihre Aufgabe auch, meinen Impuls zu geben oder zu sagen überlegt doch mal ob du es so machen kannst oder ob du mal dahin gehst.

00:11:32: ja wie kann ich mir das vorstellen?

00:11:34: also die erste Linie und wichtiges Zuhören.

00:11:38: Also das glaube ich ist

00:11:39: am allerwichtigsten

00:11:40: dass man zuhört und manchmal braucht's gar nicht so viel ein Stupser oder eine richtige Frage, dass die Menschen eigentlich im Hinterkopf schon selber wissen wie es geht und das man ein bisschen schubsen

00:11:52: muss.

00:11:52: Aber

00:11:55: schon auch Fragen stellen also so weiterführende Fragen, dass manchmal die Anrufen auf eine Idee

00:12:03: kommen,

00:12:03: wie kann ich mir selber helfen?

00:12:06: Denn darum geht's... Oder was du vorhin gesagt hast Rita, dass es auch um Insortieren geht.

00:12:13: ist das Problem so verwickelt und verkuttelt, sag ich mal.

00:12:17: Und wenn dann jemand Fragen stellt... also wenn wir dann Fragen stellen, kann es dem Anrufen

00:12:26: helfen

00:12:27: wieder klarer zu sehen?

00:12:29: Also können Sie da mal ein Beispiel nennen für so eine Frage?

00:12:32: Ich kreiere jetzt mal ein Beispiel, es ruft jemand an der sagt um mich herum sind viele schon verstorben oder sind weggezogen.

00:12:41: Ich bin ganz allein, ich habe niemanden mit dem mich mal austauschen kann und ich sitze hier eigentlich immer nur in meiner Wohnung und traue mich auch nicht mehr raus weil ich es vielleicht gar nicht mehr gewöhnt bin.

00:12:52: So ein Fall zum Beispiel... Was kann man da

00:12:55: für Fragen

00:12:56: stellen?

00:12:57: Also

00:12:57: erstmal so ein bisschen versuchen die Ressourcen abzuklopfen also so haben sie gar keine Familie mehr und manchmal Kommt dann tatsächlich, dass da noch eine Tante ist oder... Manchmal tut sich plötzlich was auf.

00:13:15: Wo der Anrufende gar nicht mehr wusste so richtig ... Da gibt es ja noch jemanden.

00:13:20: Manchmal kann man darüber über ein bisschen eine Ressource ermitteln.

00:13:24: Oder das man

00:13:25: fragt,

00:13:26: was gibt's in so einem Umfeld auch Möglichkeiten?

00:13:30: Das zum Beispiel?

00:13:32: Was haben Sie früher gemacht?

00:13:36: in ihrer Umgebung, wo sind sie früher hingegangen?

00:13:38: Mit wem haben Sie Kontakt in letzter Zeit gehabt oder so?

00:13:42: und die kommen dann meist schon drauf.

00:13:45: Es gibt natürlich auch Fälle, wo die wirklich allein sind.

00:13:49: aber ich kann auch gut anbieten zu sagen ach und wenn es mal wieder ganz schwer wird

00:13:54: dann rufen wir hier nochmal.

00:13:56: Geben Sie auch solche Tipps dass Sie sagen da und da gibt's die und die Organisationen oder die und Die Gruppe die sich trifft versuchen sie doch damals hinzugehen oder gehört das Eigentlich nicht.

00:14:07: Da

00:14:08: macht man schon manchmal eine Frage, wo haben sie das?

00:14:10: Schon mal probiert oder dass... Aber ich habe in der Ausbildung gelernt, Ratschläge sind auch Schläge.

00:14:18: Aha!

00:14:18: Interessant okay.

00:14:21: Also dann so viel Ratsschläge geben wir nicht.

00:14:25: oder sagen mach das,

00:14:26: mach das.

00:14:28: Gern eine Frage stellen.

00:14:30: So ne, dass man nicht sagt Gehen Sie doch mal zur Volks- solidarität oder in die Kirchengemeinde,

00:14:37: sondern

00:14:37: zu fragen gibt es denn irgendwo in Ihrem Ort eine Möglichkeit sich mit anderen zu treffen?

00:14:43: Was fällt Ihnen denn da ein?

00:14:45: und da kommen manche

00:14:47: auch auf nie.

00:14:48: Das heißt die Idee ist eigentlich wie sie es vorhin formuliert haben die Menschen anzustupsen aber ihnen nicht irgendeine Lösung vorzusetzen.

00:14:58: Im besten

00:14:59: Fall

00:15:00: sozusagen eine Tür aufzumachen durch die sie selber weitergehen können, aber die Tür müssen sie selber aufmachen.

00:15:06: Also wir können nur fragen was ist denn hinter der Tür?

00:15:11: und dann muss der Anrufer die Anruferin selbst weiter gehen?

00:15:17: Wie schwer ist das?

00:15:18: Kribbels einen manchmal als Beraterin so sagen mein Gott jetzt geht doch mal da in die Kirchengemeinde um die Ecke, da gibt es Senioren, Kaffee, dann bist du nicht mehr allein.

00:15:27: Ist jetzt ein bisschen... Ein bisschen platt formuliert.

00:15:31: Er kribbelt einen das manchmal.

00:15:33: Manchmal denkt man schon, mach doch!

00:15:36: Aber die müssen das wirklich selber schaffen.

00:15:41: Dann ist es für die auch für Anrufenden ein Gewinn.

00:15:45: Wir haben gesagt, es rufen alle an Jung und Alt aus den verschiedensten Bevölkerungsschichten.

00:15:51: Das heißt auch wirklich junge Menschen greifen zu dieser Möglichkeit zum Telefon Wundert ja so ein bisschen, weil wenn man junge Menschen beobachtet greifen die zwar zum Telefon aber selten um zu telefonieren.

00:16:04: Das ist zumindest meine Erfahrung sondern naja um eben bei social media unterwegs zu seinen Spiele zu spielen und so weiter.

00:16:11: Aber das heißt Wenn es hart auf hart kommt machen wir das?

00:16:16: Ja ich habe viele Studierende dir anrufen die an ihren Grenzen gekommen sind oder Die vor der Arbeit stehen und nicht weiter

00:16:24: wissen

00:16:25: oder die schon mal durchgefallen

00:16:27: Und jetzt da stehen und einfach ein bisschen Motivation brauchen.

00:16:32: Oder ich habe früher, wir

00:16:35: hatten viel Scherzanrufe

00:16:37: in unserer Anfangszeit.

00:16:40: Scherzanrufe?

00:16:40: Das Kinder erst mal getestet haben was ist denn los, was ist das für eine Nummer und so... ...und dann denke ich immer die Früher das probiert haben.

00:16:48: Was sind die heute, die sich da erinnern dass der jemand sitzt und auch bei uns anrufen.

00:16:54: Aber

00:16:54: eben nicht mehr als Scherzen sind wirklich ein Problem.

00:16:58: Was mir zum Beispiel auch auffällt, sind Beziehungsprobleme.

00:17:01: Also

00:17:01: wenn die erste Liebe wirklich die Freundin verlässt... Das ist ja mit so viel Kränkung und Verletzung verbunden.

00:17:13: Und das wird geschmannsaft!

00:17:16: Okay also beim ersten großen Liebeskummer bei Prüfungsangst vielleicht auch oder Versagen rufen dann eher die Jünger.

00:17:26: Obwohl die Jugend noch Wie Sie sagen, mit dem Telefon nicht so.

00:17:32: Aber wir haben auch E-Mail und ich glaube da ist der Anteil der jüngeren Leute.

00:17:40: Also man kann nicht nur anrufen, man kann auch e-mail schreiben und sie antworten dann auch per E-mail auf ähnliche Art wie Sie es am Telefon machen würden.

00:17:48: oder ist das ein bisschen

00:17:49: anders?

00:17:50: Bei einem Telefon ist es so dass im Prinzip jedes Gespräch für sich steht.

00:17:55: Nach der Schicht geht der Mitarbeiter die Mitarbeiterin nach Hause und dann ist ein anderer da.

00:18:00: Bei E-Mail kann man eine Weile bei einer Mitarbeiterin bleiben, das geht manchmal so ein paar Mal hin und her wenn so eine E-mail geschrieben

00:18:11: wird.

00:18:12: Also ein bisschen längerer

00:18:13: Kontakt mit derselben Person.

00:18:17: Aber ich nehme an es sind mehr Anrufe als E-mails auf jeden

00:18:20: Fall.

00:18:21: also das Telefon steht absolut im Vordergrund.

00:18:24: Das sieht man schon mal daran.

00:18:25: wir haben Beraterin und Berater am Telefon.

00:18:30: Und wir haben neun Leute, die...

00:18:36: Das zeigt schon die Dension oder den Unterschied?

00:18:39: Wenn Sie so eine

00:18:40: Schicht

00:18:41: haben in der Telefonsealsorge wie viele Anrufe gehen da ein?

00:18:45: ist das ganz unterschiedlich von Dienst zu Dienst.

00:18:49: Es ist ein bisschen abhängig davon wie lange die Gespräche dauern aber es klingelt durch weg.

00:18:53: also ich habe gerade mal geguckt in mich hatte Nachtdienst vom Mittwoch zum Donnerstag Ehm, neunzehnmal den Hörer ab.

00:19:02: Neunzehntmal?

00:19:04: Wie lange geht's ohne Schicht?

00:19:06: Die Nacht... Also normal drei Stundentags überhaupt, aber der Nachtdienst dauert neun Stunden.

00:19:13: Da ist man die ganze Nacht

00:19:14: da.

00:19:14: Neuen

00:19:15: Stunden?!

00:19:15: Wow!

00:19:16: Und hat man da auch meine Pause?

00:19:17: oder ist es im Zweifel?

00:19:18: sitzt man die ganzen Zeit am Telefon und kann auch nicht weg?

00:19:23: Doch man kann sich auch

00:19:24: mal eine Pause nehmen gerade

00:19:25: nach einem schweren

00:19:25: Gespräch wirklich an die Grenzen gehen und wo wir auch körperlich hinterher manchmal... also erschöpft ist, kann man auch meine Parfum

00:19:36: mal

00:19:36: ausgemacht.

00:19:37: Der Anrufende kommt ja dann an andere Ställe raus und

00:19:41: dann nimmt man sich einfach... Da lege ich als Leiter einen großen Wert darauf, dass die Mitarbeiter wirklich auf Pause machen weil das zum Teil wirklich sehr belastende und schwere Anrufe sind und für die Selbstfürsorge ist es wichtig

00:19:57: dann meinen Kaffee

00:19:58: zu trinken oder manche rauchen auch eine oder wie auch immer aber das wirklich mal so ein Stückchen dass ich mich wieder auf mich selbst besinnen kann und dann wieder ans Telefon gehe.

00:20:12: Das wäre auch eine Frage gewesen.

00:20:14: nochmal an Sie, Frau Ebken Ich habe es ja Anfangs schon gesagt das sind wahrscheinlich nie wirklich positiv fröhliche Anrufe Dann ruft man ja wahrscheinlich nicht bei der Telefonsehelsorge an Und es gibt offenbar eben auch Fälle die besonders schwer und traurig sind.

00:20:30: Wie gehen sie damit?

00:20:32: Es gibt ja viele Berufe, die mit schweren Situationen, ob das Krankenschwestern Ärzte sind.

00:20:37: Ob es in der Psychotherapie

00:20:39: usw.,

00:20:40: auch die müssen immer überlegen wie distanziere ich mich selber davon?

00:20:44: Wie machen Sie das bei besonders schweren

00:20:46: Anrufen?

00:20:47: Also wie gesagt Ich mache dann eine Pause wenn ich einen schweren anruf habe und mache mir wirklich ein Tee und versuche da runterzukommen sich auf mich zu besinnen und zu gucken, was macht das jetzt mit mir?

00:21:05: Und dann hat man gar nicht so viel Zeit an geht es weiter.

00:21:11: Es sind nicht immer nur ganz schlimme Gespräche.

00:21:14: Es gibt auch Gespräche die einen

00:21:16: berühren

00:21:17: und die einem ans Herz gehen und wo es in den hinterher... Ja!

00:21:20: Aber es rufen ja

00:21:21: auch Leute an,

00:21:23: denen

00:21:23: die lange Zeit bei uns angerufen haben und die dann einfach anrufen um zu sagen Dankeschön Sie haben mir so geholfen und ich habe jetzt ein Jahr lang angerufen, und jetzt bin ich aus der Krise raus.

00:21:37: Das gibt Kraft!

00:21:38: Und das ist auch eine Wertschätzung.

00:21:42: Ja, das tut mir

00:21:45: gut

00:21:45: von den anderen Mitarbeitenden auch, dass man mal sowas hört.

00:21:50: Dazu kommt also alle Mitarbeiter haben meine Handynummer.

00:21:54: Also sie können mich jederzeit anrufen wenn sie in so schweres Gespräch haben und nicht gut verkraften.

00:22:05: Das wird ganz selten in Anspruch genommen, aber ich glaube es gibt so ein Stückchen Sicherheit.

00:22:11: Ich

00:22:11: kann das ja machen!

00:22:13: Und ich habe auch mein Handy immer bei mir.

00:22:15: also so dass auch nachts können die Mitarbeiter mich anrufen.

00:22:20: Wir haben Supervision und das ist verpflichtend für unsere Mitarbeitenden.

00:22:26: Es gibt sechs Supervisionsgruppe, die sich einmal im Monat treffen organisiert drin und diese Gruppen, die ermöglichen halt auch das man mal über etwas spricht was einen belastet.

00:22:44: Es ist so dass die Ablösung, die den nächsten Dienst übernimmt immer eine Vortestunde vorherkommt, sodass man da wenn eben was schwer auf dem Herz liegt durch das einfach nochmal mit der ablösungen besprechen

00:22:55: kann.

00:22:56: Und wenn man das manchmal

00:22:57: ausgesprochen hat dann ist es auch

00:22:59: gut.

00:23:01: Nehmen Sie Manche Gespräche mit nach Hause oder kriegen sie es nach so vielen Jahren Erfahrung hin, dann wirklich abzuschließen?

00:23:08: Und jetzt gehe ich in meinen Alter zurück.

00:23:12: Ja,

00:23:12: ich schaffe das gut

00:23:14: aber natürlich gibt's Gespräche die länger über die

00:23:19: man noch mal nachdenkt.

00:23:21: Oder wenn man denkt zum Beispiel ist vielleicht auch nicht so gut gelaufen und die bringt nur dann aber eine Supervision ein...

00:23:30: Also wenn Sie das Gefühl haben dem jetzt irgendwie gar nicht richtig helfen können

00:23:37: Wenn man das Gefühl hat, irgendwie hätte es anders machen sollen.

00:23:44: Das kommt nicht so oft vor aber

00:23:46: manchmal

00:23:47: denkt man jetzt andere Fragen stellen.

00:23:52: Das Gespräch bricht plötzlich ab

00:23:55: da gibt es ja hundert Möglichkeiten.

00:23:56: was da passiert ist der ist im Funkloch.

00:23:59: Denn das sind die Strom oder irgendwas oder?

00:24:03: Der hat aufgelegt, der anrufende

00:24:05: Weil

00:24:05: er mit mir nicht zufrieden war und dass einfach nochmal geklärt zu wissen, dass das gar nicht an mir liegt.

00:24:13: Weil es hängt auch ein bisschen von meiner Tagesform ab ob ich heute ein bisschen empfindlicher bin weil mein Tag selber so voll war und dass ich mir einfach nochmal eine Rückversicherung hole dass das einfach gar nichts mit mir zu tun

00:24:28: hat.

00:24:30: Es gibt

00:24:31: schon

00:24:31: Gespräche die im Lange nachgehen.

00:24:33: also ich weiß noch ganz am Anfang habe ich zu Weihnachten am ersten Weihnachtsfeiertag Dienst gehabt und da hat ein neunjähriges Mädchen angerufen, die ganz alleine zu Hause saß.

00:24:45: Und ich bin das so vorgestellt ja bei allen Familien werden jetzt die Weihnachtsgännsin in Ofen geschoben und da ist überall große Festtagsstimmung und dieses Mädchen war wirklich vollkommen allein zuhause und das war ein so trauriges Gespräch.

00:24:59: Das habe ich bis heute nicht vergessen.

00:25:01: also da ist auch so eine Gefühl von Ohnmacht also dass wir ja auch nicht allen helfen können.

00:25:10: Wir können zwar zuhören und wir können Fragen stellen.

00:25:13: Und wir können für die Anrufen da sein, aber wir können ja ihrer Lebenssituation nicht wirklich

00:25:19: verändern.".

00:25:20: Wie schwer ist so eine Erkenntnis?

00:25:22: Also dieses Beispiel ist natürlich heftig!

00:25:24: Da hat man wahrscheinlich das Gefühl... ich frage jetzt wo die wohnt und gehe dahin.

00:25:28: Das geht natürlich nicht.

00:25:31: Genau.

00:25:32: Und wie schwer ist es das auszuhalten?

00:25:38: Haben Sie solche Situationen

00:25:39: auch?

00:25:40: Ja also wo man denkt würde ich gerne hinfahren oder Ich würde gerne

00:25:45: wissen, wie es

00:25:45: ausgegangen ist.

00:25:46: Das

00:25:46: erfahre ich ja auch nicht.

00:25:48: Also ich

00:25:49: lege auf und höre vielleicht nie wieder etwas von der Person.

00:25:55: Und da denkt man manchmal, jetzt wird das schon gerne wissen was dann.

00:26:03: Die Telefonseelsorge ist ursprünglich glaube ich gegründet worden aus dem Gedanken wenn Menschen Suizidgedanken haben dass es eine Stelle geben muss die zumindest versucht das Licht am Ende des Tunnels aufzuzeigen.

00:26:20: Das war der Ursprung dieser Idee, jetzt haben sie gesagt es rufen ganz unterschiedliche Menschen an mit ganz unterschiedlichen Themen.

00:26:28: aber ich nehme an Es gibt auch nach wie vor Menschen die keinen Sinn mehr im Leben sehen und die wirklicherweise kurz davor sind sich das Leben zu nehmen.

00:26:39: waren Sie mit solchen

00:26:39: Fällen

00:26:40: schon konfrontiert?

00:26:43: Ja Ich finde auch dass das mehr geworden ist dass die Anzahl der, die nicht mehr leben wollen

00:26:52: oder zumindest

00:26:53: den Gedanken haben, bis die Zahl zugenommen hat.

00:26:58: Und das ist auch schwer dann manchmal zu akzeptieren.

00:27:03: Der Mensch ist schon so weit und er hat keinen Lebensmord mehr.

00:27:07: und

00:27:08: dann nicht in Aktion zu geraten und da zu machen und zu machen, fällt oft schwer.

00:27:15: Wir können ja

00:27:15: auch wirklich nicht viel machen.

00:27:17: also wir... können die mit dieser Person auch sprechen und gucken, gibt es denn noch etwas was sie am Leben hält?

00:27:26: Denn manchmal ist es ja so Menschen wollen nicht eigentlich nicht sterben aber sie wollen nicht mehr so leben wie sie

00:27:34: leben.

00:27:35: Das ist nochmal ein Unterschied.

00:27:36: Aber manche sind schon wirklich sehr ganz konkrete Gedanken auch schon wie sich umrühren wollen

00:27:50: oder so.

00:27:52: Aber die Tatsache, dass sie bei ihnen noch anrufen, zeigt ja eigentlich es muss ja irgendwo noch was geben.

00:27:57: Was sie noch am Leben hält und so und die ja gar nicht

00:28:00: anruft.

00:28:01: Und das ist unsere Aufgabe, das rauszufinden

00:28:03: oder

00:28:04: auch herauszufinden wollen?

00:28:06: Also es ist dann wichtig zu gucken für den das richtig schlimm wäre wenn diese Person sterben würde.

00:28:24: Dem man fragt gibt es bei Ihnen im Umkreis jemanden der Sie eigentlich echt lieb hat und für denen das ein Weltuntergang wäre.

00:28:32: Ja genau!

00:28:34: Es rufen Menschen bei Ihnen an mit sehr schweren Situation.

00:28:38: Sie haben gesagt, einsame Menschen mit psychischen Problemen, Menschen vielleicht auch mit Zukunftsängsten Prüfungsängsten.

00:28:46: aber gibt es auch Menschen die vor allen Dingen anrufen um ein bisschen zu reden und zu erzählen oder die gar nicht wegen

00:28:55: großer

00:28:56: Probleme haben?

00:28:58: Ja sie gibt das auch!

00:28:59: Das sind unsere... Mehrfach anrufen, die manchmal täglich angerufen und einfach nur erzählen wollen über ihren Tagesablauf.

00:29:07: Was passiert ist?

00:29:08: Was ich jetzt noch machen will?

00:29:10: Was heute gekocht wird?

00:29:12: Was er eingekauft hat?

00:29:14: Und wir sind so ein bisschen oft... der Draht zur Welt!

00:29:23: Den reicht das dann auch, die braune Viertelstunde oder zehn

00:29:27: Minuten um das zu erzählen.

00:29:30: Und

00:29:32: für sie ist es aber auch in Ordnung.

00:29:33: Sie denken ja nicht, oh Gott!

00:29:34: Ist schon wieder der was für eine Zeitverschwendung?

00:29:36: Ja

00:29:36: das ist für manche schwer,

00:29:38: aber

00:29:38: um mir liegen die so am Herzen.

00:29:40: Ich kenne ja manche schon... Manche rufen hier auch schon länger an über Jahre und die kenn ich schon und

00:29:46: dann begrüße ich die auch.

00:29:47: hallo wie geht's und wir haben uns aber lange nicht gehört.

00:29:52: Auch die liegen mir am Herz.

00:29:54: Wo es nicht so schlimm ist.

00:29:56: Aber die ihr trotzdem auch einen Grund haben bei ihnen

00:29:58: anzurufen Ja,

00:29:59: die finde ich auch ganz nötig haben.

00:30:01: Das sind auch

00:30:02: ganz arme Menschen, die

00:30:05: wirklich alleine sind und niemanden

00:30:06: haben.

00:30:07: Sie haben schon gesagt es gibt Supervision und das gibt bevor man überhaupt in der Telefonsehsorge arbeiten kann ja eine Ausbildung ein

00:30:15: Jahr?

00:30:15: Ist das richtig?

00:30:16: Zehn Monate

00:30:16: genau.

00:30:19: Wir fangen jedes Jahr mit einer Ausbildung

00:30:21: an.

00:30:21: Das ist ganz wichtig

00:30:22: weil wir brauchen immer wieder mit Arbeitende dazukommen.

00:30:26: Weil auch andere aufhören also aus Altersgründen oder was wegziehen und verschiedene Gründe.

00:30:35: Und ungefähr diese Anzahl von Menschen, die aufhören brauchen wir auch wieder neu.

00:30:43: Deswegen starten mir jedes Jahr eine Ausbildung und die geht zehn Monate zwei Abende im Monat und drei

00:30:50: Wochen innen.

00:30:52: Diese Ausbildung ist sehr selbsterfahrungsbezogen.

00:30:57: Also da geht es nicht so sehr um Theorie Sondern es geht viel darum, wie gehst du mir selbst?

00:31:05: Welche Krisen habe ich in meinem eigenen Leben

00:31:07: erfahren

00:31:09: und wie bin ich damit umgegangen.

00:31:11: Wie hat mir dabei geholfen?

00:31:13: weil es wichtig ist dass ich gerade wenn nicht so Probleme am Telefon höre dass sich immer weiß das ist das Problem des Anrufenden oder der anrufende Und das ist mein Problem

00:31:28: Weil

00:31:28: manchmal klingt es vielleicht ähnlich Was weiß ich?

00:31:34: Da ist eine Ehe aus Danne gegangen.

00:31:36: Aber das

00:31:36: kann ja ganz anders

00:31:38: sein, also bei dem einen ist es so gewesen und bei mir war's so.

00:31:42: Und dass dann nicht zu Verallgemeinern was mir geholfen hat hilft auch dem anderen sondern der

00:31:49: Anruf

00:31:52: hat andere Erfahrungen gemacht.

00:31:55: Und das immer

00:31:56: zu berücksichtigen ist wichtig.

00:31:58: Deswegen muss ich mich so gut mit mir selbst auseinandersetzen.

00:32:02: Okay um mich da abgrenzen zu können sozusagen, war anders und die Lösung ist möglicherweise auch nicht dieselbe.

00:32:09: Ja, und ich nur abgrenzen zu können sondern tatsächlich auch mich einfühlen zu können denn das ist ein ganz wichtiger Punkt dass sich mich einlassen kann, dass ich mich Interesse an dem anderen habe und dass ich mit schwingen kann.

00:32:28: Das heißt in dieser Ausbildung geht es um ganz konkrete Geschichten, konkrete Fälle über die man spricht.

00:32:38: Naja immer über die auszubildenden selbst.

00:32:43: Wir haben natürlich auch Übungen zur Gesprächsführung mit Theorien, wie kann man ein Gespräch führen?

00:32:53: Da setzen wir uns auch miteinander.

00:32:56: Aber wir haben immer wieder die Frage auch Wie geht es dir selbst damit?

00:33:00: und wenn wir diese großen Themen wie Suizid, sexualisierte Gewalt, Sucht besprechen Dann geht's immer auch darum Gabs da schon mal was in der eigenen Familie?

00:33:14: Kennen Sie das Problem gar nicht mehr aus meiner eigenen Perspektive.

00:33:18: Aber gab es den Vater oder den Großvater, der Alkoholiker war?

00:33:23: Und wie ist die Familie dran?

00:33:25: Was hat geholfen?

00:33:26: Das habe ich so überlegt und reinspürt.

00:33:32: Gibt es auch Menschen in der Ausbildung, die das angefangen haben und die dann merken oder wo sie merken – das wird nicht funktionieren?

00:33:39: Ganz regelmäßig!

00:33:40: Also es ist kein Ausbildungs-Kurs mit der Zahl zu Ende gegangen, mit der sie angefangen.

00:33:48: Das heißt, es ist schon eine besondere Herausforderung und

00:33:53: ein besonderes Ehrenamt.

00:34:04: Und das finde ich ein ganz besonderes... Also es schätze ich sehr.

00:34:24: Die Ehrenamtlichen, die hier arbeiten sind auch ganz unterschiedliche Menschen vom Alter her und der Ausbildung von der Berufstätigkeit

00:34:33: her?

00:34:34: Ja, das ist so.

00:34:35: Kannst ja so sagen unser jüngster Mitarbeiter ist vierundzwanzig Jahre alt und unsere älteste Mitarbeiterin ist

00:34:42: achtzig Jahre alt.

00:34:43: Oh!

00:34:43: Und inzwischen bewegt sich, dass wir uns sind wie gesagt einige, die noch arbeiten Und es sind aber auch einige, die suchen sich das im Übergang zum Urstand oder gerade wie Rita Ebken.

00:34:54: Die viele Jahre gearbeitet hat und es nebenher gemacht hat und jetzt in den Urstand

00:35:01: gegangen ist... ...und dass auch weitermachen

00:35:03: wird.

00:35:05: Wie das geht mache ich das

00:35:07: mit ihrer Erfahrung?

00:35:09: Ja kommen wir zu dem großen Thema was jetzt auf Sachsen-Anhalt zukommt.

00:35:14: am sechsten September wird ein neuer Landtag gewählt.

00:35:18: Viele Menschen gucken mit großer Sorge auf diese Landtagswahl.

00:35:22: Warum ist bekannt?

00:35:24: Die AfD-Umfragewerte sind sehr hoch und die Telefonseelsorge Sachsen-Anhalts hat jetzt vor kurzem eine Erklärung im Vorfeld der Landtagswahl oder zur Landtagswahl herausgegeben, darum heißt es unter anderem Wir sind da für jeden Menschen unabhängig von Herkunft, Religion und persönlichen Lebensentwürfen.

00:35:47: Weil jeder Mensch ein Geschöpf Gottes ist wertvoll und wichtig ausnahmslos.

00:35:53: Dieses christliche Menschenbild ist Grundlage unserer

00:35:56: Arbeit.

00:35:57: Warum war es Ihnen als Telefonseesorg in Sachsen-Anhalt so wichtig jetzt diese Erklärung vor der Wahl herauszugeben?

00:36:05: Was ist der Hintergrund?

00:36:06: Sie haben

00:36:06: einen Grund dafür!

00:36:08: Also uns war es eben deshalb so wichtig weil genau das für uns ein ganz großes

00:36:12: Anliegen

00:36:13: ist, dass jeder Mensch wertvoll ist und jeder Mensch die gleichen Rechte

00:36:18: hat.

00:36:19: Und es wird auch für jeden Menschen egal wo sie herkommen, wie Sie glauben, wie sie leben sind für jeden und jede da.

00:36:30: Das

00:36:30: nochmal

00:36:31: herauszustellen.

00:36:32: das war uns sehr wichtig.

00:36:34: also ich bin Pfarrerin und auch die Telefonseelsorge gehört zum evangelischen Kirchenkreis Und von daher ist dieses christliche Menschenbild.

00:36:44: Das ist eigentlich die Grundlage unserer Arbeit.

00:36:47: Die Mitarbeiter sind nicht alle Kirchenmitglieder, das müssen sie auch nicht sein Aber in ihrer

00:36:53: Haltung

00:36:54: drückt sich es aus.

00:36:56: Ich bin für den Obdachlosen genauso da wie für den Professor und ich bin auch für den Menschen mit Migrationshintergrund Da.

00:37:04: Es spielt keine

00:37:05: Rolle

00:37:06: ob ein Muslim oder einen Christ Atte ist bei uns anruf.

00:37:11: Es spielt einfach

00:37:12: keine

00:37:12: Rolle, weil es Menschen sind und weil wir für alle da

00:37:15: sind.".

00:37:17: Und befürchten Sie – weil sie es ja nun vor der Landtagswahl herausgegeben haben diese Erklärung -, dass dieses Menschenbild in unserer Gesellschaft in Gefahr ist und das sich auch für die Telefonseelsorge ganz konkret etwas verändern könnte?

00:37:31: sollte,

00:37:32: die

00:37:32: AfD in Regierungsverantwortung

00:37:34: kommt?

00:37:39: brauchen wir ja auch ein paar Finanzen, um unsere Arbeit machen zu können.

00:37:42: Wir müssen eine Supervision finanzieren und die Gehälter der Hauptamtlichen.

00:37:48: Es gibt so ein paar Finanzen, die wir doch

00:37:50: brauchen.

00:37:52: Und wenn die AfD ihre Finanzierung an patriotische Gründe hängen möchte dann steht unsere Arbeit in Gefahr.

00:38:03: Also diese ideologische und patriotische Die Grundhaltung, die die AfD einfordert.

00:38:09: Wie steht unsere Arbeit entgegen?

00:38:13: Weil sie gefährdet

00:38:14: sind und gefährdet auch unserer

00:38:16: Arbeit.

00:38:17: Das heißt Sie machen sich ernsthaft Sorgen für die Existenz oder der Telefonseelsorge?

00:38:23: Wir machen uns Sorgen auf die Existenz der Telefonseelsorge und damit auch wir machen uns Sorge um unsere

00:38:30: Anrufen weil

00:38:32: diese sind letztendlich die Leidtragenden.

00:38:34: Also dass gerade die Menschen, die uns brauchen und die aber eigentlich auch in dem Sinne der AfD keine Lobby haben.

00:38:44: Und die für uns aber genauso wichtig sind wie alle anderen.

00:38:48: Für sie möchte mehr da sein – und die brauchen uns!

00:38:53: Merkt man dieses Thema auch bei Anrufenden?

00:38:56: Spielt das eine Rolle, dass sich ein gesellschaftliches Klima verändert?

00:39:00: vielleicht gerade wenn Menschen mit Migrationshintergrund anrufen?

00:39:04: Man spürt die Ängste

00:39:06: schon.

00:39:07: Die Anrufe sind jetzt nicht so

00:39:09: viel, manchmal

00:39:12: kommt es dann am Ende auch so raus aber oft spürtt man Angst was denn und wie das dann wird.

00:39:20: oder Menschen mit Migrationen sind aufgrund dieses Buch wirklich Gedanken machen.

00:39:26: Erzählen sie auch von negativen Erfahrungen?

00:39:29: Oder ist das eher

00:39:30: seltener?

00:39:30: Also Diskriminierungserfahrung?

00:39:33: Es

00:39:33: kommt nicht so oft vor, aber es kommt vor und

00:39:37: dann wird natürlich Europas

00:39:38: solche Sachen

00:39:39: besprochen.

00:39:41: Also hoffen wir das Beste was diese Landtagswahl angeht.

00:39:45: Wir können das jetzt nicht weiter beeinflussen Aber Sie haben's versucht mit dieser Erklärung die auch öffentlich zu machen und zu verbreiten.

00:39:55: Ja blicken wir positiv trotzdem auf den sechsten September.

00:40:01: Wir kommen langsam zum Ende des Podcast-Gesprächs.

00:40:06: Unser Podcast heißt ja gerührt und geschüttelt, das meint letztendlich was hat dich gerührt?

00:40:14: Was hat dich geschüddelt?

00:40:15: Was habt dich positiv bewegt?

00:40:18: Und was ist dir aufgestoßen?

00:40:20: diese Frage stellen wir unseren Gesprächspartnern unserer Gästen immer am Ende jedes Gesprächs.

00:40:27: Und das würde ich Sie beide jetzt auch nacheinander fragen, was ich immer ganz schön finde wenn wir den Podcast mit etwas Schöne beenden.

00:40:34: Deshalb bitte ich meistens vielleicht zuerst die Frage zu Beantworten Frau Ebken.

00:40:41: Was hat sie geschüttelt in der letzten Zeit?

00:40:45: Gab es

00:40:45: da etwas?

00:40:46: Ja geschüddelt... Also schütteln tut mich schon, dass was hier passiert um uns rum und

00:40:54: Mich schüttelt vielleicht

00:40:55: auch ein bisschen,

00:40:56: dass

00:40:56: das Ehrenamt so ein bisschen in den Hintergrund gerät und wir immer so jetzt viele Leute ansprechen und fragen.

00:41:04: Weil wir ja vierundzwanzig Stunden sieben da sind und immer mit weiter Suchung und Brauchung.

00:41:10: Und da würde ich mir wünschen, dass es da noch ein paar Leute gibt die sich bei

00:41:14: uns melden.

00:41:15: Das heißt, wir machen einfach hier nochmal einen kleinen Aufruf.

00:41:19: Die Telefonseesäure sucht immer ehrenamtliche Mitarbeiter.

00:41:24: Und was, was euch berührt

00:41:25: hat.

00:41:26: Ich hatte vor gestern Nachtdienst und

00:41:29: hab so ein schönes Gespräch gehabt, das mich heute noch berührt mit einer jungen Frau die neunzehn Jahre ist... ...und nicht weiter wusste weil sie schwanger und studiert und wusste überhaupt nicht mehr.

00:41:44: Und ich musste gar nicht so viel sagen!

00:41:46: Ich habe ihr zugehört und vielleicht ein paar Fragen gestellt und am Ende Hat sie gesagt, es ist so klar.

00:41:54: Und sie dankt mir, obwohl ich gar nicht so viel gesagt habe ... Das war so schön das Gespräch.

00:42:02: Dass man sowas auch im Herzen trägt und da sind noch Gespräche, wo man sich immer noch mal dran erinnert weil die ihn wirklich berühren.

00:42:11: Vielen Dank Frau, kommen wir zu Ihnen Frau Eichert.

00:42:14: was hat Sie geschüttelt?

00:42:15: Was mich schüttelte also immer wieder ist wenn ich erlebe wie Menschen übereinander reden und wie abfällig.

00:42:23: Und ja, wie soll ich sagen?

00:42:25: Diese Hass der manchmal anderen Menschen gegenüber zutage tritt und ohne dass sie sie kennen also Migrantinnen und Migranten gegenüber Menschen mit Kopftuch Also mich schüttelt das richtig.

00:42:39: Das gut situierte Menschen unserer Gesellschaft so abfälich abwährend und beschämend über andere Menschen reden finde ich ganz

00:42:49: furchtbar.

00:42:51: Und was hat sie gerührt?

00:42:53: Gibt es da auch

00:42:53: etwas?

00:42:55: Da kann ich jetzt nicht so ganz konkret sagen,

00:42:57: aber

00:42:58: was mich sehr berührt ist.

00:42:59: Wie groß das Vertrauen der Menschen ist hier an.

00:43:03: Die kennen mich ja gar nicht!

00:43:04: Die wissen ja gar nichts wer ich bin.

00:43:07: Aber in den ersten zwei drei Sätzen legen die Anrufen ihr ganzes Leben manchmal vor ein hin und breiten das aus und haben so vertrauen dass sich damit gut umgehe.

00:43:21: Das berührt mich sehr.

00:43:23: Was kann ich gut verstehen?

00:43:24: Kann ich gut nachvollziehen, wir haben viel erfahren über ihre Arbeit bei der Telefonseelsorge.

00:43:31: Ich habe viel erfahren und sehr berührendes.

00:43:33: ganz herzlichen Dank für Ihre Offenheit und Ihre Bereitschaft mit uns für den Podcast zu sprechen.

00:43:41: Hoffen wir das Beste auch für die nächste Zeit.

00:43:44: Herzlichen Dank

00:43:45: Ihnen beiden!

00:43:50: Gerührt und geschüttelt Ein Podcast der evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

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